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Ölsand ist eine Mischung aus Ton, Sand, Wasser und Bitumen. Das Bitumen lässt sich in synthetisches Rohöl umwandeln. Ölsandlagerstätten werden bevorzugt im Tagebau ausgebeutet. Eine Ausbeutung von Ölsand aus tieferen Erdschichten ist ebenfalls möglich.

Vorkommen


Lagerstätten von Ölsand gibt es auf der ganzen Welt, die größten befinden sich in Venezuela und Alberta, Kanada. Die Vorräte an Ölsand machen zwei Drittel der weltweiten Ölvorkommen aus, wobei ein Drittel des Ölsands in den Vorkommen am Orinoco in Venezuela (286 km³ oder 1,8 Billionen Barrel), ein Drittel in den kanadischen Athabasca-Lagerstätten (270 km³ oder 1,7 Billionen Barrel) und der Rest in Form von herkömmlichem Öl (278 km³ oder 1,75 Billionen Barrel) lagert. Die Vorkommen des letzten Drittels lagern hauptsächlich in Saudi-Arabien und anderen Ländern des Nahen Ostens. In Kanada sind etwa 95 Prozent der Erdölvorkommen Ölsand. Deutsche Vorkommen in der Lüneburger Heide bei Wietze wurden von 1918 bis 1964 bergmännisch abgebaut.

Gewinnung und Kosten


Dem Sand wird heißes Wasser zugeführt, der entstehende Schlamm wird zu einer Extraktionsanlage gepumpt, wo er gerührt, und das flüssige Bitumen oben abgeschöpft wird. Da Bitumen viel dickflüssiger ist als normales Rohöl, muss es entweder mit Petroleum gemischt oder chemisch gespalten werden, bevor es sich durch eine Pipeline transportieren lässt.

Es wird geschätzt, dass um 80% der Teersande von Alberta für die heutigen Tagebauverfahren zu tief unter der Erdoberfläche liegen. Die Ausbeutung von Ölsand aus tieferen Erdschichten geschieht nach dem "In situ"-Verfahren. Dabei wird Dampf in die Lagerstätte eingeleitet, um das Bitumen zu verflüssigen. Es kann zu Bohrstellen fließen und dort zutage gefördert werden. Nachteile dieses Verfahrens sind der große Wasserverbrauch, der Energiebedarf zum Erzeugen des Dampfes, das Problem der Wasserentsorgung und mögliche unterirdische Umweltschäden. Kritiker machen geltend, dass der massive Wasserverbrauch einer Produktion in großem Stil im Wege steht, Befürworter halten dagegen, dass technische Verbesserungen die Effizienz des Wassereinsatzes steigern werden.

Die kanadischen Athabasca-Ölsandminen können mit dem gegenwärtigen Heißwasser-Prozess geschätzte 750.000 Barrel (120.000 m³) Rohöl pro Tag liefern. Da nach Überschreiten des Fördermaximums (Peak-Oil) die Kapazität der herkömmlichen Ölquellen zurückgeht, werden nichtkonventionelle Ölressourcen wie Ölsand künftig zunehmend zur Ölgewinnung herangezogen werden. Viele Experten bezweifeln allerdings (neben den finanziellen, energetischen und ökologischen Problemen), dass durch die Förderung von Ölsanden der zu erwartende Rückgang des konventionellen Öls ausgeglichen werden kann.

Im Jahr 2002 führte die Einbeziehung des Ölsandes in die Berechnung der wirtschaftlich förderbaren Ressourcen zu einem sprunghaften Anstieg der Erdölreserven um 17,8% bzw. 25 Milliarden Tonnen. Allerdings ist die Gewinnung durch Ölsand nicht äquivalent zur Förderung von konventionellem Erdöl und der Zuwachs daher kritisch zu betrachten.

Im Jahr 2004 wurden täglich 1 Mio. Barrel (160.000 m³) Bitumen aus Ölsand gewonnen. Die Produktionskosten sollen derzeit (2005) unter 20 USD pro Barrel liegen.

Die Kostenfrage ist mittlerweile unternehmensseitig die größte Herausforderung bei der Exploration der kanadischen Athabasca-Vorkommen. "Shell Canada" und "Western Oil Sands" äußern deutliche Sorge, dass die Aufwendungen für die Ölsandförderung aus dem Ruder laufen könnten. Einem Bericht des Rohstoff-Infodienstes "platts.com" vom 6. Juli 2006 zufolge habe "Western Oil Sands" seine anfängliche Budgetfestlegung von 13,5 kanad. Dollar (12,2 Mrd. US-Dollar) bereits um 50% überschritten.

Umweltauswirkungen und Klimaschutz


Die Bergbauextraktion des Ölsandes hat eine direkte Auswirkung auf die lokalen und planetarischen Ökosysteme. In Alberta zerstört diese Form der Ölextraktion vollständig den borealen Wald, die Moore, die Flüsse sowie die natürliche Landschaft. Es ist zweifelhaft, ob sich in den Abbaugebieten jemals wieder das bisherige natürliche Ökosystem entwickeln wird. Trotz Projekten der Minenindustrie, welche die Zurückgewinnung des borealen Waldes in Alberta zum Ziel haben, ist mehr als 30 Jahre nach Beginn des Abbaus keines der Gebiete als zurückgewonnen zertifiziert.

Für jedes Barrel synthetisches Öl, das produziert wird, werden mehr als 80 Kilogramm Treibhausgase in die Atmosphäre freigegeben und ungefähr 4 Barrel des Abwassers werden in Bergeteiche entleert. Das erwartete Wachstum der Erdölgewinnung in Kanada bedroht auch seine internationalen Verpflichtungen. Als Kanada das Kyoto-Protokoll bestätigte, war es damit einverstanden, seine Treibhausgasemissionen um 6 Prozent vor 2012 zu verringern. Dennoch hatten um 2002 die Treibhausgasemissionen Kanadas um 24 Prozent zugenommen.

Weblinks


Siehe auch


Bergbau | Erdöl

Dehtové písky | Tjæresand | Tar sands | Öljyhiekka | Sable bitumineux | Teerzand

 

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