Der Begriff Ökologische Nische bezeichnet Position und Rolle einer Art innerhalb eines Ökosystems. Hierbei werden Merkmale und Bedürfnisse der Art sowie Umweltfaktoren in ihrer Wechselwirkung betrachtet.
Der Begriff Ökologische Nische wird unterschiedlich verstanden und definiert. Manchmal wird er missverstanden im Sinne eines Ortes, an dem eine Art lebt (was das Wort "Nische" im umgangssprachlichen Sinne auch suggeriert).
Im Gegensatz zu den Begriffen Habitat und Biotop, die einen physischen Ort bezeichnen, ist die ökologische Nische ein funktioneller Begriff. Er beschreibt, welche biotischen und abiotischen Bedingungen, Umweltfaktoren und evolutive Faktoren für das Leben bzw. Überleben dieser Art im Ökosystem von Bedeutung sind.
Aus dieser Definition der Ökologischen Nische folgt auch, dass eine Art in einem bestimmten Ökosystem jeweils nur eine Nische bildet und umgekehrt kann diese Nische zur gleichen Zeit jeweils nur von einer Art "besetzt" sein. Zwei Arten mit der gleichen Artnische hätten komplett gleiche Eigenschaften und wären daher identisch.
Seitdem vollzog der Begriff einen mehrfachen Bedeutungswandel. Elton wollte die Nische als Wesensmerkmal der Art verstanden wissen, um die Rolle einer Art in einem biotischen Beziehungsgefüge darzustellen. Nach seiner Auffassung bleibt auch bei Einbeziehung abiotischer Faktoren die Nische eine Eigenschaft der Art, jede Art „bildet“ eine ökologische Nische. Von anderen wurde die ökologische Nische eher als eine Art „Planstelle“ angesehen, also als Teil der Umwelt, die von einer Art besetzt wird. Lange Zeit wurde die Frage der Art- oder Umweltbezogenheit des Nischenbegriffs kontrovers diskutiert und man überlegte sogar, den missverständlichen Begriff gänzlich fallen zu lassen.
Aufbauend auf dem Werk von Hutchinson entwickelt sich ein praxisorientierter Kompromiss. Die ökologische Nische beschreibt die spezifische Lebensweise einer Art indem sie alle von der Art genutzten Ressourcen darstellt. Die Betonung der Umweltnutzung durch eine Art macht den Begriff operational anwendbar.
Besonders in die Synökologie fand der Nischenbegriff Eingang. Hier haben sich die mit dem Nischenbegriff zusammenhängende Termini Nischenbreite, Nischenüberlappung oder Einnischung bewährt (Munk 2000, S. 14-24).
Hutchinsons Konzept beschreibt die Wechselwirkung von Toleranzbereichen und Bedürfnissen bei der Bestimmung derjenigen Umweltfaktoren und Ressourcen, die ein Individuum oder eine Art in ihrer Lebensweise benötigt. Jede Art stellt gewisse Anforderungen, um überleben und sich reproduzieren zu können. Hierzu zählen Temperatur, Feuchtigkeit, Nahrung, Bodenbeschaffenheit u. a. Arten unterscheiden sich in ihren Anforderungen. Zur möglichst differenzierten Beschreibung der ökologischen Nische einer Art prägte Hutchinson den Begriff des n-dimensionalen Hypervolumens.
Dieses Hypervolumen setzt sich aus der Gesamtheit aller Umweltfaktoren wie Temperatur, Nahrung, Bodenfeuchte, Lebensraum usw. zusammen, welche eine ökologische Nische bedingen und formt einen so genannten Nischenraum. Die einzelnen Faktoren lassen sich als Dimensionen graphisch darstellen. Ein Umweltfaktor stellt jeweils eine Dimension dar. Die ökologische Nische wird durch die Grenzen definiert, in denen eine Art leben und sich reproduzieren kann, was sich als Bereich auf jedem Graph abbilden lässt. Es gibt innerhalb dieses Bereiches für jeden Faktor ein Optimum, bei dem die Art am besten gedeiht. In der Praxis gibt es jedoch aufgrund der Komplexität des Lebens sehr viele Dimensionen. Ein Diagramm einer realistischen mehrdimensionalen Nische kann man sich daher nur schwer vorstellen und nicht zeichnen. Daher wird dieses n-dimensionales Hypervolumen der Umweltfaktoren aus Gründen der Anschaulichkeit in zwei- bis dreidimensionale Nischendiagramme zerlegt. Auch eine vereinfachte Form der Darstellung kann die Idee der ökologischen Nische schon recht gut darstellen. Je mehr Dimensionen in die ökologische Nische mit einbezogen werden, desto besser ist die Differenzierung zwischen unterschiedlichen Nischen (Townsend, Harper, Begon 2003, S. 134-136).
In geographisch getrennten, jedoch mit ähnlichen abiotischen Bedingungen versehenen Gebieten lebende Arten, besetzen oft ähnliche Nischen (Stellenäquivalenz). Dies führt dann zum Phänomen der Konvergenz/Analogie, da beide Arten unabhängig voneinander in Anpassung an ihre Lebensweise einen ähnlichen Körperbau entwickeln, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind. So nehmen die Pinguine der Antarktis als fischfressende und flugunfähige Vögel eine ähnliche Ökologische Nische ein wie vor ihrem Aussterben die Riesenalken Europas. Beutelmulle in Australien und Maulwürfe in Europa besetzen die Ökologische Nische des kleinen Raubtiers, das durch intensives Graben von Gängen mit zu Grabschaufeln umgestalteten Vorderbeinen an unterirdische Kleinsttiere als Nahrung gelangt.
Konkurrenz, zum Beispiel durch eingeführte allochthone Arten mit ähnlicher, überlappender Ökologischer Nische, führt zu einer Verkleinerung des Existenzbereichs der ursprünglich vorhandenen Art. Wird der realisierte Existenzbereich dabei zu klein, so kann dies zum Aussterben einer Art führen, was man als Konkurrenzausschlussprinzip bezeichnet.
Generell führt die Evolution tendenziell dazu, dass zwei verschiedene verwandte Arten unterschiedliche Ökologische Nischen besetzen (Einnischung), da sie sonst einem erhöhten Konkurrenzdruck ausgesetzt wären. Ein Beispiel dafür stellt die Spezialisierung (adaptive Radiation) der Darwinfinken auf den Galápagos-Inseln dar, die Charles Darwin zu seinen ersten Überlegungen zur Artbildung und zur Evolutionstheorie führte.
Die Anzahl möglicher Ökologischer Nischen eines Ökosystems hängt von den klimatischen oder geographischen Bedingungen, sowie von der übrigen Lebensgemeinschaft, der Biozönose, ab. Dementsprechend ist die Artenzahl sehr unterschiedlich. Extreme Lebensräume, wie die Gletscher Grönlands, der Antarktis oder der Hochgebirge bieten weniger Ökologische Nischen als Urwälder in den Tropen oder Korallenriffe.
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