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Die Begriffe ökologische Landwirtschaft oder biologische Landwirtschaft bezeichnen die Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage möglichst naturnaher Produktionsmethoden und unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Ökologie.
Produkte aus ökologischem Anbau werden ohne chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Herbizide, Insektizide und andere, zusammen häufig undifferenziert als Pestizide bezeichnet), chemische Wachstumsförderer, chemisch-synthetische Düngemittel und Gentechnik produziert und ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Bestrahlung verarbeitet.
Gekennzeichnet werden Produkte aus ökologischer Landwirtschaft in Deutschland durch das staatliche Bio-Siegel und häufig durch die Aufschrift aus kontrolliert biologischem Anbau, abgekürzt kbA. International ist die englische Bezeichnung organic üblich.
Die EU-Öko-Verordnung von 1991 definiert für ihren Gültigkeitsbereich, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, hergestellt und gekennzeichnet werden müssen.
Um eine klare Unterscheidbarkeit zu „konventionell“, also nicht nach ihren Richtlinien hergestellten Lebensmitteln sicherzustellen, schützt die EU-Öko-Verordnung explizit die Begriffe Bio- / Öko-, biologisch / ökologisch, kontrolliert ökologisch / biologisch, biologischer / ökologischer Landbau, biologisch-dynamisch sowie biologisch-organisch. Diese geschützten Begriffe dürfen ausschließlich für Produkte verwendet werden, die mindestens den Kriterien der EU-Öko-Verordnung entsprechen.
1999 wurde die EU-Ökoverdnung durch eine Zusatzverordnung ergänzt, welche die Aufzucht, Kennzeichnung und Kontrolle der wichtigsten Tierarten regelt. Genetisch veränderte Organismen und daraus hergestellte Produkte dürfen im Öko-Landbau und in der Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln nicht verwendet werden.
Bei kontrollierten Bioprodukten weisen außer - nicht immer vorhandenen - geschützten Zusätzen im Produktnamen, wie Bio-Kefir, vor allem die Kennzeichnung Ökologische Agrarwirtschaft-EWG-Kontrollsystem und die Angabe der Nummer (z.B.: DE-034-Öko-Kontrollstelle) und/oder des Namens der prüfenden Öko-Kontrollstelle, die auf dem Etikett vorhanden sein müssen, darauf hin, dass das Lebensmittel gemäß der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurde und welche anerkannte EU-Öko-Kontrollstelle es regelmäßig kontrolliert. Auf dem Etikett kann zusätzlich eine Abbildung des Bio-Siegels auf den Bioanbau hinweisen und/oder der Name und das Logo des Bio-Anbauverbands angegeben sein, falls der Hersteller Mitglied eines solchen ist. Die Anbauverbände legen für die Vergabe ihres Siegels teilweise noch strengere Maßstäbe zugrunde als die EU-Verordnung.
Die zunehmende gesellschaftliche Relevanz von Themen wie Gesundheit, Fitness, Schönheit, und Jugend zusammen mit einer nicht abreißenden Reihe negativer Medienberichte über verschiedene Produkte der konventionellen Produktion und die Bedingungen ihrer Herstellung könnte den Wunsch der Verbraucher nach gesunder Ernährung verstärkt haben und auch zukünftig weiter beeinflussen. In vielen Staaten reagierte die Politik auf das wachsende Wählerinteresse an ökologischen Themen, indem sie ihrerseits Programme zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft auflegte. Dennoch sind die regionalen und nationalen Unterschiede im Bereich Bioanbau mitunter beträchtlich. Während z.B. in Österreich die ökologische Landwirtschaft als Graswurzelbewegung begann und noch immer meist auf kleineren Höfen betrieben wird, konnten beispielsweise in Dänemark durch ein gezieltes staatliches Subventionsprogramm auch viele größere Betriebe zum Wechsel zur ökologischen Landwirtschaft bewegt werden. In Deutschland wurde die ökologische Landwirtschaft in der Zeit der rot-grünen Koalitionsregierung unter Kanzler Schröder (SPD) und besonders unter der grünen Ministerin Renate Künast stark gefördert. Der neue Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zeigt bisher keine Anzeichen für einen grundlegenden Kurswechsel, auch wenn er in Einzelfragen andere Ansichten vertritt als seine Vorgängerin.
Aufgekommen ist diese Form der Landwirtschaft vor allem in den 80ern des letzten Jahrhunderts infolge des allgemein gewachsenen Umweltbewusstseins. Am Anfang standen vereinzelte kleine Bioläden, die sich für einen kleinen Käuferkreis auf ökologische Produkte spezialisiert hatten. Seit Jahren findet man Ökoprodukte auch in den meisten konventionellen Supermarktketten, viele davon haben inzwischen eigene Öko-Hausmarken („Füllhorn“, „Bio Wertkost“) etabliert. Zur Zeit expandiert neben anderen Wettbewerbern die Bio-Supermarktkette "ALNATURA" mit einem Sortiment von ausschließlich Bio-Produkten bundesweit.
Um eine bessere Unterscheidbarkeit von konventionell und ökologisch hergestellten Lebensmitteln zu ermöglichen, wurde in Deutschland im Jahre 2001 das Bio-Siegel eingeführt, mit dem alle nach EG-Öko-Verordnung hergestellten Produkte freiwillig gekennzeichnet werden dürfen.
Der ökologische Anbau beruht auf den folgenden Prinzipien und Vorgehensweisen, die den Schutz der Umwelt, die Gesundheit des Verbrauchers und die Qualität des Produktes sichern sollen:
Zu diesem Zweck wird empfohlen, als Bodenbedeckung sowohl lebende Pflanzen anzusiedeln (gezüchteter Pflanzenbewuchs), als auch tote organische Materie (Überreste anderer Pflanzen, Forstschnitt, etc.) aufzubringen, die der Bodenerosion vorbeugen, Nährstoffe recyceln, die Aktivität von Mikroben fördern, die Anzahl unerwünschter Kräuter verringern und die Wurzeln schützen.
Das Konzept der Selbsternte wurde in Österreich entwickelt; derzeit beteiligt sich die Universität Kassel mit einem Projekt auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen an der Erforschung und Weiterentwicklung dieser Idee.
Bisherige praktische Erfahrungen aus der Land- und Forstwirtschaft weisen eine negative Korrelation zwischen der Bereitschaft zur Selbsternte und dem Wohlstand einer Gesellschaft auf.
Es ist nur logisch, dass die ökologischen Erwägungen bei der Agrarwirtschaft begonnen haben und nicht bei der Viehzucht, denn die Ernährung der Tiere hängt direkt von der Agrarwirtschaft ab. Nach und nach ist man in der Viehzucht aber den Vorgaben aus der Agrarwirtschaft gefolgt und hat diese auch in die ökologische Produktion miteinbezogen.
Erst etwa 8 Jahre nach der Einführung der Bestimmungen zur landwirtschaftlichen Produktion wurde die Verordnung CE 1804/1999 genehmigt, worin die Prinzipien und spezifischen Kontrollmaßnahmen zur ökologischen Erzeugung von Fleisch und weiterverarbeiteten Tierprodukten festgehalten werden. Der Prozess zur Einbeziehung der Viehzucht wurde durch den Druck der Verbraucher begünstigt, die ihrerseits durch die vielen alarmierenden Meldungen über Krankheiten und sonstige gesundheitsschädliche Vorgänge in der Nahrungsmittelindustrie aufgeschreckt wurden.
Die ökologische Viehwirtschaft basiert auf der Bevorzugung ökologischer Vielfalt, der Bevorzugung von Rassen, die sich ihrem Umfeld am besten angepasst haben und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten; zudem ist den einheimischen Rassen – bei gleichen Voraussetzungen - Vorrang einzuräumen.
Gentechnisch manipulierte Tiere und von ihnen erzeugte Produkte vertragen sich nicht mit den Prinzipien ökologischer Viehwirtschaft.
Die Bewegungsfreiheit der Tiere muss in jedem Falle gewährleistet sein und die natürlichen Aktiv- und Ruhephasen müssen respektiert werden.
Die richtige Ernährung der Tiere basiert auf aus ökologischem Anbau stammenden Produkten. Tierproteine dürfen weder direkt, noch als Beimischung im Futter gefüttert werden. Bei Säugetieren ist die Einhaltung einer bestimmten Stillzeit vorgeschrieben.
Um die Tiere gesund zu erhalten, muss Infektionen und Krankheiten auf bestmögliche Weise vorgebeugt werden: Es werden widerstandsfähige Rassen ausgesucht und für eine ausgewogene Ernährung mit ausgewähltem Futter ebenso gesorgt, wie für die richtige Menge an Viehbestand, etc.
Sollten sich trotz vorbeugender Maßnahmen Gesundheitsprobleme ergeben, werden umgehend Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, die die Anforderungen für Ökobetriebe erfüllen. Hierbei werden vorzugsweise pflanzliche oder homöopathische Mittel bzw. Spurenelemente als Medikamente eingesetzt und der Gebrauch von synthetischen Chemieprodukten oder Antibiotika weitestgehend eingeschränkt. Letztgenannte Mittel dürfen in keinem Fall zu Vorbeugungszwecken eingesetzt werden. Ausdrücklich verboten ist jede Form von wachstumsfördernden oder ertragssteigernden Mitteln. Außerdem werden Techniken abgelehnt, die der Synchronisierung der Fruchtbarkeitszyklen auf unnatürlichem Wege dienen, sowie die Übertragung von Embryos und genetische Manipulationen.
Zudem gibt es Vorschriften über den richtigen Transport der Tiere: der Stress für die Tiere muss auf ein Minimum reduziert werden; Beruhigungsmittel für die Transportdauer sind verboten.
Die einzelnen Anbauverbände und Markenfleischprogramme unter den verschiedenen Öko- und Bio-Siegeln unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten deutlich voneinander, besonders hinsichtlich Verbot oder Zulassung betäubungsloser Kastrationen und Enthornungen der Tiere PROVIEH - VgtM e.V. : "Einkaufshilfe.Durchblick bei Öko-Siegeln und Bio-Marken", Heikendorf b. Kiel, 2006.
Am 1. Juli 2003 begann der in Köln ansässige Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. mit dem Aufbau des Monitoring-Systems für Obst und Gemüse im Naturkosthandel. Seither werden Bio-Obst und Bio-Gemüse systematisch auf Belastungen mit Pestiziden untersucht. Ziel der Überwachung soll sein, mögliche Anbaufehler und Lücken in der Qualitätssicherung aufzudecken und zu dokumentieren, um so zur Qualität der als biologisch erzeugt gehandelten Lebensmittel beizutragen. Das Monitoring-System brachte folgende Verbesserungen für den Naturkostmarkt:
Das Monitoring-System spürt als Bio deklariertes konventionelles Obst und Gemüse auf und hält es vom Markt fern und bietet damit Schutz vor Verbrauchertäuschungen . Jeder Rückstandsfund löst außerdem eine gründliche Ursachenforschung aus, wodurch das Projekt zu einer deutlichen Verbesserung der Qualitätssicherung auf allen Ebenen der Erzeugung und des Handels beiträgt. Groß- und Einzelhändler im Naturkostbereich erhalten regelmäßig aktuelle Informationen zum Projektstand und über die Ergebnisse der Analyse-Aktionen. Des Weiteren sammelt das Monitoring-System Daten zur Pestizidbelastung von ökologisch produziertem Obst und Gemüse und bereitet diese systematisch auf.
Das Projekt „Aufbau eines Monitoring-Systems für Obst und Gemüse im Naturkostfachhandel“ läuft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und wurde vom 1. Juli 2003 bis zum 31. Dezember 2004 vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) finanziell gefördert. Seit 01. Januar 2005 wird das Überwachungssystem vom BNN Herstellung und Handel auf privatrechtlicher Basis weitergeführt und steht allen interessierten Lieferanten von Obst und Gemüse im Naturkosthandel offen.
Im Rahmen des Monitoring werden alle vier Wochen im Naturkost-Großhandel Proben gezogen, welche bundesweit so koordiniert sind, dass ein großer Teil der Obst- und Gemüsesorten, die aktuell im Handel sind, erfasst wird. Die Proben werden im Labor Dr. Specht & Partner in Hamburg und im SGS Institut Fresenius in Berlin nach der Multimethode DFG S19, die mindestens 250 Pestizide erfasst, untersucht. Je nach Gefährdungslage kommen weitere Analyseverfahren zum Einsatz.
Ein aktuelle Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2005, in der 658 Proben von konventionell hergestelltem Obst und Gemüse aus dem Einzel- und Großhandel in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz auf ihren Pestizidgehalt hin untersucht wurden, zeigt deutlich, daß biologisch angebautes Obst und Gemüse - wenn überhaupt - wesentlich weniger mit Pestiziden und Pestizidrückständen belastet ist als vergleichbare konventionelle Ware.
Da Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft in der Regel höhere Marktpreise erzielen, können kriminelle Produzenten oder Händler versucht sein, konventiell erzeugte Produkte als solche aus ökologischem Anbau auszugeben.
Manche Untersuchungen ergaben auch bei als ökologisch deklarierter Ware erhöhte Belastungen mit Pflanzenschutz- und Konservierungsmitteln oder Fungiziden. Im Allgemeinen ist die Sicherheit für den Verbraucher bei ökologischen Produkten jedoch wegen des relativ engmaschigen Netzes von Kontrollen wesentlich größer als bei konventioneller Ware.
Die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Virginia Worthington kam in einem Review von 41 veröffentlichten wissenschaftlichen Studien, die den Nährwert ökologisch und konventionell angebauten Gemüses, Obstes und Getreides verglichen, zu dem Schluss, dass ökologische Lebensmittel signifikant mehr Nährstoffe verschiedener Gruppen enthalten. Durchschnittlich enthielt Biorohware 27 % mehr Vitamin C, 21,1 % mehr Eisen, 29,3 % mehr Magnesium und 13,6 % mehr Phosphor. Zusätzlich enthielten die Bioprodukte 15,1 % weniger Nitrate als die konventionelle Vergleichgruppe.Virginia Worthington: "Nutritional Quality of Organic Versus Conventional Fruits, Vegetables, and Grains", veröffentlicht in The Journal of Alternative and Complementary Medicine, Vol. 7, No. 2, 2001 (S. 161-173) Dieser behauptete gesundheitliche Vorteil von Bioprodukten bedarf weiterer Untersuchung, unbestreitbar ist hingegen, dass Bioprodukte allgemein weniger mit schädlichen Produktionsrückständen belastet sind und dass die Ökologische Landwirtschaft als ganze eher geeignet ist, die natürlichen Ressourcen zu schonen und die Böden auch für die Zukunft fruchtbar zu erhalten.
Eigentlich selbstverständlich sollte es sein, auch ökologische Früchte vor dem Verzehr gründlich zu waschen, da unabhängig vom Verhalten des Produzenten beispielsweise durch Regen oder Staub und andere Umweltfaktoren belastende Substanzen auf die Produkte gelangen können. Im Zweifelsfall, z.B. in Ermangelung sauberen Wassers sollten die Früchte - wie konventionelle auch - geschält verzehrt werden.
Nicht verschont bleibt auch der Bioanbau von der Saatgut
Studien:
Ökologische Landwirtschaft | Nachhaltigkeit
Agricultura ecològica | Ekologické zemědělství | Økologisk landbrug | Organic farming | Ekologia agrikulturo | Agricultura ecológica | Agriculture biologique | Agricultura ecolóxica | חקלאות אורגנית | Agricoltura biologica | Biologische landbouw en voeding | Agricultura orgânica | Ekologiskt jordbruk | Organik Tarım
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