Die Ökogeographischen Regeln sind ein Satz von Regeln, die aus der Beobachtung erwachsen sind, dass bestimmte Merkmale bei verschiedenen Arten eines Lebensraumes ähnlich ausgeprägt sind. Zugleich unterschieden sich nah verwandter Arten in verschiedenen Regionen in diesen Merkmalen auf eine bestimmte Weise.
Diese regelhaften Unterschiede lassen sich auch innerhalb einer Art bei Vergleich geografischer Rassen und Unterarten beobachten.
Die Regeln spiegeln damit sowohl die konvergente Entwicklung von Merkmalen wider als auch die Variationsbreite innerhalb eines Verwandtschaftskreises.
Die mediterranen Braunbären Ursus arctos syriacus sind kleiner als der Europäische Braunbär Ursus arctos arctos und dieser wieder kleiner als die Braunbären Alaskas Ursus arctos middendorfi. Der größte unter den Bärenverwandten ist der Eisbär Thalarcots maritimus.
Je größer ein Tier ist, umso kleiner ist seine Oberfläche im Vergleich zum wärmespeichernden Körpervolumen, um so kleiner ist also der Wärmeverlust über die Haut. (Siehe hierzu auch Thermoregulation)
Regel von Allen – Proportionsregel
Die Allensche Regel (nach Joel Asaph Allen, 1838 - 1921) besagt, dass bei gleichwarmen Tieren einer Art und Arten eines Verwandtschaftskreises die relative Länge der Körperanhänge (Extremitäten, Schwänze, Ohren) und Schnauze in kälteren Regionen geringer als in wärmeren Gebieten ist.
Die Länge der Ohren nimmt in der Verwandtschaftsreihe FennekCanis (Fennecus) zerda (Wüste), RotfuchsCanis (Vulpes) vulpes (gemäßigte Breiten) Polarfuchs Canis (Alopex) lagopes (Tundra) ab. Ebenso bei WüstenluchsCaracal caracal und Luchs der Tundren Lynx lynx sowie bei FeldhaseLepus europaeus (capensis) und SchneehaseLepus timidus.
Regel von Hesse – Herz-Gewichts-Regel
Die Hessesche Regel besagt, dass das durchschnittliche Verhältnis des Herzgewichtes zur Körpermasse bei Tieren in kälteren Regionen größer ist als in wärmeren.
Beispiel HaussperlingPasser domesticus (Angaben Gramm pro Kilogramm): Leningrad 15,7 – Hamburg 14,0 – Tübingen (13,1)
Regel von Gloger – Färbungsregel
Die Glogerschen Regel (Färbungsregel) besagt, dass Arten, welche in Gebieten mit mehr Sonneneinstrahlung leben, eine dunklere Pigmentierung der Haut besitzen, als Artverwandte in Gebieten mit weniger Sonneneinstrahlung.
In warm feuchten Regionen sind Tiere durch Eumelanine braun-schwarz gefärbt, in kühl-trockenen durch Phaeomelanine gelb-braun. Einige Arten der Polargebiete sind zumindest im Winter weiß gefärbt.
Dies wird damit begründet, das eine stärkere Pigmentierung einen besseren Sonnenschutz bietet.
Die Glogersche Regel wurde von Constantin Wilhelm Lambert Gloger, nach dem sie auch benannt ist, in seinem Werk Das Abändern der Vögel durch Einfluss des Klima's (1833) aufgestellt.
Pflanzengeografische Regeln von Werner
Blattgrößenregel: In feuchtwarmen Regionen (Regenwald) bilden die Pflanzen größere Blätter aus als in kalt-trockenen (Bergwald, Polargebiete). Dies erklärt sich daraus, dass über großflächige Blätter mehr Wasser verdunstet wird als bei kleinflächigen.
Blattformenregel: Pflanzen der sommergrünen Wälder in den gemäßigten Breiten weisen eine größere Variabilität auf als Pflanzen der Tropenwälder oder der immergrünen Nadelwälder nördlicher Breiten.
Wuchsformenregel: Holzige Pflanzen bilden in trockenen und kalten Gebieten mit kurzer Vegetationsperiode Zwergformen aus.