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Édouard Balladur (* 2. Mai 1929 in İzmir, Türkei) ist ein französischer gaullistischer Politiker (RPR, UMP).

Herkunft


Balladur entstammt einer armenischen Bankiers- und Händlerfamilie aus dem osmanischen Smyrna. Im laufenden Geschäft mit Partnern aus Livorno, Manchester, aber vor allem Marseille genießen die Balladurs den Status von „barataires francs“, was ihnen 1926 die Einbürgerung in Frankreich erleichterte. Mit den Umwälzungen unter Mustafa Kemal und den Jungtürken in der Türkei am Ende des und nach dem Ersten Weltkrieg ereignet sich der Völkermord an den Armeniern und die Flucht Tausender Griechen aus der Türkei sowie umgekehrt Tausender Türken aus Griechenland. 1922 wütete eine Feuerbrunst in Smyrna, das bis zu diesem Zeitpunkt von den Kriegswirren verschont geblieben war und zerstörte insbesondere die christlichen Viertel. Vor diesem Hintergrund wird Édouard Balladur als Sohn eines Bankiers der Ottomanischen Bank in Smyrna geboren und siedelt erst im Alter von 6 Jahren nach Frankreich, genauer Marseille, um. Die Familie Balladur bildete mehrere Allianzen mit anderen Armeniern, wie die Isseverdens, mit Italienern, vorzugsweise venezianischer Herkunft, aber vor allem mit Franzosen und insbesondere solchen aus der Provence.

Werdegang


1935 bezieht die Familie Balladur mit ihren fünf Kindern eine Wohnung auf dem Boulevard Chave in Marseille. Trotz gewisser Einschränkungen im Vergleich zu ihrer Situation in Smyrna, lebt die Familie in gutbürgerlichen Verhältnissen. Mit 6 Jahren wird Balladur in eine Einrichtung der Diözese Jean-Baptiste-de-la-Salle aufgenommen, daran anschließend 1942 in das Thiers Gymnasium. Balladur bleibt später der Provence stets sehr verbunden. Sein Bruder wird zu einer angesehenen Persönlichkeit der Stadt Marseille aufsteigen.

Zunächst will Balladur Arzt werden, entscheidet sich dann aber für ein Jura-Studium am Institut d'études politiques in Paris, mit öffentlichen Dienstleistungen als Schwerpunkt. 1950 nimmt er sein Abschlussdiplom in Empfang. Einige Zeit hindert ihn eine Tuberkulose an der Fortführung seiner Studien, aber nach seiner Heilung 1955 nimmt er diese wieder auf, diesmal an der Verwaltungshochschule ENA, Jahrgang 1957, Abschlussklasse „France-Afrique“. Schon während des Studiums bildet er mit Jacques Monod, Pierre Verbrugghe, einem ehemaligen Polizeipräfekten von Paris, Jacques Calvet, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Peugeot, und Jean Dromer, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Louis Vuitton, eine kleine Arbeitsgruppe. Nach seinem ersten Jahr absolviert er das obligatorische Praktikum in der Präfektur der Charente. Seine Zwischenarbeit behandelt noch das Thema des Gesetzes von Barangé und der Bautätigkeiten für den schulischen Bereich, doch im zweiten Jahr widmet er sich dem sozialen Bereich.

Berufliche Karriere


Daran anschließend übernimmt er die Leitung von Radio Télévision Française, um 1964 ins Kabinett von Georges Pompidou zu wechseln, dem er zum Zeitpunkt des Abschlusses der Abkommen von Grenelle im Anschluss an die Ereignisse vom Mai 1968 als Berater zur Seite steht. Als Pompidou im gleichen Jahr die Präsidentschaft für sich entscheidet, ernennt er Balladur zunächst zum Stellvertretenden, 1974 schließlich zum Staatssekretär. 1967 wird er in den Aufsichtsrat von ORTF aufgenommen, ein Jahr später in den des nationalen Forstamtes und wird Präsident der Gesellschaft zum Bau und zur Nutzung des Mont-Blanc-Tunnels.

1974, nach der Wahl von Valéry Giscard d'Estaing zum Staatspräsidenten, kehrt er in den Staatsrat zurück. 1977 sieht er sich an die Spitze einer Tochter der Compagnie Générale d’Électricité (CGE) gesetzt, einem Energiekonzern, der später zu Alcatel gehört: Générale de service informatique (GSI), die für Informatikdienste verantwortlich ist. 1980 übernimmt er den Vorstand einer anderen Tochter der Unternehmensgruppe: der Europäischen Gesellschaft für Akkumulatoren.

Politische Karriere


Im März 1986 kandidiert er für die Partei RPR und wird zum Abgeordneten von Paris gewählt. Jacques Chirac, als erster Premierminister der ersten Cohabitation, ernennt ihn zum Staatsminister im Wirtschafts- und Finanzministerium. Den Posten verlässt er im Mai 1988, bevor er wiedergewählt wird.

Nach dem Sieg der rechtsgerichteten Parteien 1993 schließt er mit Chirac ein Abkommen und wird Premierminister, im Gegenzug bereitet sich Chirac auf die Präsidentschaftswahlen 1995 vor. Am 23. März wird Balladur von Präsident François Mitterrand zum Premierminister ernannt. Damit beginnt die zweite Cohabitation.

Nachdem seine Popularität im Amt steigt, beschließt er, sich neben Chirac als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen aufstellen zu lassen und wird dabei von einem Teil der führenden Mitglieder des RPR unterstützt, darunter Nicolas Sarkozy. Indessen scheidet er im ersten Wahlgang aus und Chirac wird zum Präsidenten gewählt. Er räumt seinen Posten als Premierminister und konzentriert sich wieder auf sein Abgeordnetenmandat. Als Ratsmitglied von Paris wird er im Kampf um die Bürgermeisterschaft von Philippe Séguin geschlagen. Auch die XII. Legislaturperiode (2002 – 2007) sieht ihn wieder als Abgeordneten in der Nationalversammlung für den 12. Wahlbezirk von Paris. Diesmal als Mitglied der neu gegründeten Partei UMP und Leiter der Kommission für auswärtige Angelegenheiten, nachdem sein Gegner bei den Wahlen zur Präsidentschaft der Nationalversammlung Jean-Louis Debré die Wahlen für sich entscheiden konnte.

Regierungsfunktionen


Politische Mandate


  • Mitglied des Stadtrates (Paris)
19891995: Mitglied des Stadtrates von Paris 19952001: Mitglied des Stadtrates von Paris Seit 2001: Mitglied des Stadtrates von Paris 19981998: Mitglied im Regionalrat der Region Île-de-France 19881993: Abgeordneter 19931993: Abgeordneter 19951997: Abgeordneter 19972002: Abgeordneter Seit 2002: Abgeordneter für Paris

Spitznamen


Laut der Wochenzeitung Le Canard Enchaîné: Sa courtoise suffisance (übersetzt, in etwa: seine höfliche Hinlänglichkeit)

Werke


  • Der Maibaum (1979)
  • Ich glaube stärker an den Menschen als an den Staat (1987)
  • Leidenschaft und Dauerhaftigkeit (1989)
  • Zwölf Briefe an zu ruhige Franzosen (1990)
  • Wege und Überzeugungen (1992)
  • Wörterbuch der Reform (1992)

Über Édouard Balladur: Balladur von Claire Chazal (1993)

Mann | Franzose | Premierminister (Frankreich) | Geboren 1929

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