Die École Nationale d'Administration (ENA) ist eine in Straßburg ansässige Grande école, die traditionell die Elite der französischen Beamten ausbildet. Sie wurde am 9. Mai 1945 von Charles de Gaulle ins Leben gerufen, um den Aufbau einer von der Vergangenheit unbelasteten Verwaltung zu ermöglichen.
Die Gründung der ENA war Teil eines Programms zur Reform der französischen Verwaltung, geleitet vom damaligen Generalsekretär der kommunistischen Partei, Maurice Thorez. Die Schule wurde in Paris eingerichtet, zunächst an der Adresse 56, rue des Saint-Pères, später an der Adresse 13, rue de l'Université. Édith Cresson setzte als Premierministerin 1992 gegen erhebliche Widerstände durch, dass die ENA nach Straßburg verlegt wird. Über zehn Jahre hinweg lief der Betrieb der ENA zugleich in Paris und in Straßburg ab, bevor 2005 der Umzug der gesamten Schule dorthin abgeschlossen wurde. Damit einher ging auch die Fusion der ENA mit dem Institut international d’administration publique (IIAP). Die Pariser Gebäude wurden vom IEP Paris übernommen.
Die ENA ist geprägt von den historischen Umständen ihrer Gründung, insbesondere vom Geist derer, die - oftmals aus der Résistance kommend - den Wiederaufbau Frankreichs übernahmen. Vor 1945 hatte es keine zentrale Ausbildungsstätte für die höheren französischen Beamten gegeben. Um den Zugang zur ENA so gerecht und transparent wie möglich zu gestalten, wurde ein rigoroser Concours als Zulassungsverfahren gewählt. Über die Jahre hat sich jedoch gezeigt, dass dies eine auffallende Homogenität der Studenten nicht verhindern konnte, und somit die Bildung eines gewissen Korporatismus eine permanente Gefahr darstellt. Von jährlich etwa 3000 Bewerbern überwinden 120 das Auswahlverfahren. Eine große Zahl der ausländischen Studenten an der ENA sind Deutsche, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium zum Besuch der Schule erhalten haben. Die ENA kooperiert mit mehreren ausländischen Hochschulen; Kooperationspartner in Deutschland sind die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAKÖV) und die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer.
Aufgabe der ENA ist es, den zukünftigen höheren Beamten eine fachübergreifende Ausbildung zukommen zu lassen. Der Unterricht dauert 27 Monate und teilt sich in eine Studienphase von 15 Monaten sowie eine Praktikumsphase von 12 Monaten. Die Praktika mussten in der Vergangenheit bei Präfekturen, diplomatischen Vertretungen oder internationalen Organisationen abgeleistet werden. Die Ziele der Studienphase, die aus Fallstudien, Gruppen- und Einzelarbeiten besteht, sind
Viele Schüler der ENA treten nach ihrer Ausbildung Aufgaben beim Conseil d'État, beim Rechnungshof oder bei Ministerien an. Einige verpflichten sich für den diplomatischen Dienst.
Ein Großteil der französischen Spitzenpolitiker haben ihre Laufbahn nach einem Abschluss der ENA begonnen. Französische Absolventen der ENA müssen nach dem Abschluss mindestens zehn Jahre im französischen Staatsdienst arbeiten. Alle bisherigen Enarchen, d.h. Absolventen der ENA, (im Jahr 2004 etwa 5500) sind im Verzeichnis "annuaire" gemeinsam mit den ausländischen ENA-Absolventen aufgeführt. Jeder Abschlussjahrgang wählt einen Namen, mit dem z.B. eine bestimmte Person geehrt wird. Später werden die Absolventen dann als Mitglieder z.B. der Promotion Nelson Mandela gleichsam kategorisiert. Die Ehemaligenvereinigungen, wie die Association des anciens élèves de l'ENA (AAEENA), in Paris und die Gesellschaft der deutschen ehemaligen ENA-Schüler e.V. haben sich mit anderen ausländischen ENA-Ehemaligenvereinigungen zu einer Confédération zusammen geschlossen. Zu den bekanntesten Absolventen zählen
Die ENA ist in Frankreich hoch angesehen, ihre Ausbildung ist begehrt, zugleich aber ist sie nicht unumstritten. Immer wieder werden Forderungen erhoben, nicht selten von ehemaligen Absolventen der ENA selbst, die Ausbildung, die Zulassung und die Verquickung mit dem Zugang zum öffentlichen Dienst (über das classement) zu reformieren. Die Schule hat im Zuge des Umzugs nach Straßburg ihr Curriculum überarbeitet; ob dies einige Kritiker verstummen lässt, bleibt abzuwarten.
École nationale d'administration | Escuela Nacional de Administración | École nationale d'administration | École nationale d'administration | フランス国立行政学院 | École nationale d'administration | École nationale d'administration | École nationale d'administration | Şcoala Naţională de Administraţie
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"École nationale d'administration".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world