Yeityop'iya Federalawi Demokrasiyawi Ripeblik
Demokratische Bundesrepublik Äthiopien
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| Amtssprache | Amharisch
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| Hauptstadt | Addis Abeba
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| Staatsform | Demokratische Bundesrepublik
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| Staatsoberhaupt | Girma Woldegiorgis
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| Premierminister | Meles Zenawi
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| Fläche | 1.127.127 km²
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| Einwohnerzahl | 73.053.287 (Stand Juli 2005)
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| Bevölkerungsdichte | 65 Einwohner pro km²
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| BIP/Einwohner | 116 *] (2005)
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| Währung | Birr
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| Zeitzone | UTC+3
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| Nationalhymne | Whedefit Gesgeshi Woude Henate Ethiopia
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| Kfz-Kennzeichen | ETH
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| Internet-TLD | .et
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| Vorwahl | +251
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| Äthiopien-Pos.png
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| et-map.png
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Äthiopien (
griechisch Αιθιοπία, von altgriechisch
αίθαλο, aíthalo - das rußige, rußfarbene und
οψ, ops - das Gesicht,
amharisch Ityop'ya) - zeitweise auch
Abessinien (eigentlich ein kultur-geographischer Begriff, der nur das Hochland bezeichnet) - ist ein Staat im Osten
Afrikas. Er grenzt an
Eritrea, den
Sudan,
Kenia,
Somalia und
Dschibuti. Nationalfeiertag ist der
28. Mai, Tag der Niederlage des
Mengistu-Regimes (1991).
Geographie
Politische Grenzen
Grenze insgesamt: 5328 km
Äthiopien ist seit der Unabhängigkeit
Eritreas 1993 ein Binnenland ohne direkten Zugang zu einem Hafen.
Geologie
Semien Mountains 02.jpg
Der Großteil von Äthiopien wird vom
Hochland von Abessinien (mit
Ras Daschan Terara (4.620 m)) eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes:
Addis Abeba (2.370 m ü.
NN). Weitere dortige
Viertausender sind der
Talo (4.413 m), der
Guma Terara (4.231 m] und der
Guge (4.203). Durch die Mitte des Staats zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der
Große Afrikanische Grabenbruch (der hier auch
Abessinischer Graben genannt wird). Auf dessen südöstlicher Seite schließt sich das
Somali-Hochland an
Batu (4.307 m). Die tiefste Landesstelle befindet sich mit 116 m unter dem Meeresspiegel in der
Koba-Senke westlich der Grenze zu Eritrea.
Siehe auch: Liste der Vulkane in Äthiopien
Klima
In der tropisch-heißen Zone (bis 1.800 m) ist es durchschnittlich 27 Grad warm bei einer jährlichen Regenmenge unter 500 mm Niederschlag pro Quadratmeter. Die warm-gemäßigte Zone (1.800 bis 2.500 m) ist 22 Grad warm bei 500 bis 1.500 mm Niederschlag pro Jahr. Im Berggebiet (über 2.500 m) werden nur 16 Grad gemessen und die Regenmenge steigt bis 1.800 mm Niederschlag. Die Hauptregenzeit ist zwischen Mitte Juni und September, eine kleine Regenzeit gibt es zwischen Februar und März.
Seen
Ethiopia surface.jpg
Der größte See ist der
Tanasee. Im
großen afrikanischen Grabenbruch gibt es viele meist vulkanische Seen. Der
Shala ist der größte Kratersee und der tiefste des Landes. Der
Langano ist wegen seines hohen Sodagehaltes einer der wenigen Seen, in denen man baden kann, da er frei von
Bilharzioseerregern ist.
Flüsse
Die wichtigsten Flüsse in Äthiopien sind der
Akobo, der
Awash, der
Blaue Nil, der
Genale, der
Omo und der
Tekeze.
Flora und Fauna
Aufgrund seiner abwechslungsreichen Topographie mit seinen diversen geologischen Schichten und verschiedener klimatischer Verhältnisse ist Äthiopien die Heimat für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Äthiopien ist eines der acht
Genzentren der Erde. Die äthiopische Flora umfasst ungefähr 7.000 höhere Pflanzenarten, von denen ungefähr zwölf Prozent
endemisch sind. Äthiopien ist das Ursprungsland des
Kaffee und verschiedener Getreidesorten, wie
Teff oder die
Rote Zierbanane (
Ensete ventricosum). Über 20 verschiedene Kulturpflanzen stammen aus diesem Land.
Unter den zahlreichen Tierarten sind 30 Säugetierarten (12 %)(unter anderen der äthiopische Wolf, die Sömmerringgazelle) 16 Vogelarten (2,5 %)(Blauflügelgans), 3 Reptilarten (3,9 %) und 17 amphibische Arten (31,5 %) endemisch.
Städte
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005):
Addis Abeba 2.757.807 Einwohner,
Dire Dawa 252.347 Einwohner,
Nazret 214.034 Einwohner,
Bahir Dar 168.929 Einwohner,
Gonder 153.942 Einwohner und
Mek'ele 151.752 Einwohner.
Siehe auch' Liste der Städte in Äthiopien
Bevölkerung
Ethiopia demography.png
Äthiopien gilt als Vielvölkerstaat. Obwohl geographisch dem südlich der Sahara gelegenen Afrika zugerechnet, ist das Land in seiner historischen Entwicklung stark geprägt vom arabisch-semitischen Einfluss sowohl in kultureller als auch in demographischer Hinsicht.
Ethnien
A labourer of agame colour.jpg
Im 20. Jahrhundert galten die
Amharen als Staatsvolk. Obwohl sie nur zwischen 20 und 30 % der Bevölkerung stellen, hat sich
Amharisch als Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von der Stadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt. Zusammen mit den
Tigray, die ca. 10 % der äthiopischen Bevölkerung ausmachen, siedelten sie traditionell als Bauern in den nördlichen Hochländern, dem Kernland des historischen äthiopischen Kaiserreichs. Amharen und Tigray können unter dem äthio-semitischen Begriff
Habesha ('Abessinier') zusammengefasst werden. Zum überwiegenden Teil sind sie Anhänger der
Äthiopisch-Orthodoxen Kirche. Eine kleine Minderheit sind Muslime, Protestanten und Katholiken, die Minderheit
jüdischen Glaubens (
Falascha) ist mittlerweile fast komplett nach
Israel ausgewandert.
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Die zahlenmäßig größte Ethnie bilden allerdings die Oromo, die eine Kuschitische Sprache sprechen. (Die früher für die Oromo und andere kuschitische und omotische Völker gebrauchte Bezeichnung Galla gilt heute als abwertend und sollte vermieden werden.) Sie stellen über 40 % der Bevölkerung Äthiopiens und hängen oft dem Islam, aber auch der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche an. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über den Süden, Osten und Westen des Landes. Die muslimische Bevölkerung der Stadt Harar wird Aderi genannt und hat aus historischen Gründen eine eigene linguistisch-kulturelle Identität. Die bedeutsamsten anderen ethnischen Gruppen Äthiopiens sind die Somali (6 %), Shankella (6 %) Afar (4 %), Gurage (3 %), Sidama (9 %) und Agaw (1 %). In den Regionen im Westen und Südwesten des Landes leben noch zahlreiche nilotische und omotische Ethnien, die zum Teil einen sehr ursprünglichen Lebensstil bewahrt haben. Die bekanntesten unter ihnen sind die Mursi, Hamar, Ometo und Nuer.
Sprachen
In Äthiopien werden über 80 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache auf der Bundesebene ist
Amharisch, das zum (süd-)semitischen Zweig des Afroasiatischen gehört und als Muttersprache von etwa 18 Mio. Menschen gesprochen wird, als Zweitsprache von weiteren 4 Mio. Äthiopiern. Das kuschitische
Oromo ist mit 9 Mio. Sprechern nächst dem Amharischen am meisten verbreitet. Allerdings ist die Sprecherzahl einzelner Sprachen oft ein Politikum und daher mit Vorsicht zu geniesen.
Englisch ist Bildungssprache, wird in den Oberschulen als Unterrichtssprache verwendet. In einzelnen Bundesstaaten, deren Grenzen entlang Sprachgrenzen gezogen wurden, werden in Grundschulen und in örtlichen Verwaltungen regionale Sprachen wie Oromo, Harari, Somali, Afar, Kafficho u.a. aber auch Amharisch verwendet.
Die Sprachen Äthiopiens gehören - sehr ungleich verteilt - zwei großen Sprachfamilien an: dem Afroasiatischen (früher Semito-Hamitisch genannt) und dem Nilo-Saharanischen. Dabei entfallen 99% (55 Mio.) auf das Afroasiatische, das in Äthiopien mit seinen Zweigen Semitisch (vorwiegend in der nördlichen Hälfte des Landes), Omotisch (im Südwesten) und Kuschitisch (im Süden, Westen und Osten) vertreten ist. Die Nilo-Saharanischen Sprachen (im Westen Äthiopiens) machen nur 1% oder etwa 500.000 Sprecher aus.
Siehe auch: Alphabetische Liste der Sprachen von Äthiopien
Religionen
The Cross of Emperor Tewodros II colour.jpg
So
heterogen wie die ethnische Zugehörigkeit ist auch die religiöse: Die wichtigsten
Glaubensgemeinschaften sind die
äthiopisch-orthodoxen Christen (vor allem
Amharen) und die
sunnitischen Muslime (vor allem
Oromos). Dazu kommen
Katholiken, Anhänger von
Naturreligionen, Angehörige der
äthiopisch-evangelischen Kirchen,
Hindus und
Sikhs.
Eine Sonderrolle spielen die Falascha - diese Gemeinschaft äthiopischer Juden ist älter als der Talmud. Mit einer geheimen Luftbrücke hatte Israel 1984 und 1991 mehr als 25.000 Falascha aus den Bergtälern zwischen Gonder und Aksum ins Heilige Land ausgeflogen. Heute leben nur noch 3.800 Falascha in Äthiopien
Äthiopisch-Orthodoxe Kirche
Ethiopian Religious.jpg
Das
Äthiopisch-Orthodoxe Christentum ist die historisch bedeutsamste Religion des Landes. Äthiopien gilt nach
Armenien als zweitältester stark durch das Christentum geprägter Staat der Erde. Die Religionspraktiken haben sich einen sehr traditionellen Charakter bewahrt und unterscheiden sich von den evangelischen und katholischen Kirchen.
Die äthiopische Kirche ist Mono- bzw. Miaphysitisch, d. h., dass ihre Abspaltung von der katholischen Kirche noch vor dem Konzil von Chalcedon stattfand und sie somit nicht als eine orthodoxe Kirche im Sinne der russischen oder griechisch orthodoxen Kirche gesehen werden kann. Die Lehre, die sie vertritt, geht auf den von den europäischen Kirchen als Häretiker (=Irrlehrer) verurteilten Nestorius zurück. Sie steht somit den indischen Thomaschristen, den Armeniern oder auch den ägyptischen Kopten nahe. Die religiöse Spaltung hierbei geht weniger auf ernsthafte theologische Fragen (es betrifft die Natur Christi und inwieweit sie von Gott als differenziert anzusehen ist) sondern vielmehr auf politische, die sich aus der Vorherrschaft der byzantinischen Kirche und ihrer Patriarchen ergab.
Protestantische Kirchen
Seit 1830 sind evangelische Missionare in Äthiopien unterwegs; von 1855-68 war die
St. Chrischona Pilgermission aus
Basel in Zusammenarbeit mit dem anglikanischen Bischof
Jerusalems mit meist deutschen
Missionaren in Äthiopien tätig. Auf diese geht u.a. eine protestantische Bewegung unter den "judaisierenden"
Beta Isra'el (sog. "schwarze Juden") zurück. Die
Hermannsburger Mission bemüht sich 1853 bis 1857 um die Missionierung der
Oromo, wird aber erst im Jahre 1927 wirklich aktiv; eine erste deutsch-schweizerische Mission unter den Oromo gab es schon 1840 (in
Shewa), später 1867 (
Beni Shangul /
Gubbe) und für längere Zeit mit einem gewissen Erfolg auf der Missionsstation in
Balli, südlich Shewa, von 1872 bis 1886, geleitet von deutschen Missionaren der
St. Chrischona Pilgermission aus Basel. Weiter gibt es Missionen aus
Schweden,
Norwegen, den
USA und
Dänemark.
Zur Zeit gibt es folgende protestantische Kirchen in Äthiopien:
Katholische Kirche
Die
Äthiopisch-Katholische Kirche ist eine mit der
Römisch-Katholischen Kirche unierte Ostkirche. Sie wurde 1622 zur Staatskirche erhoben und 1636 wieder verboten, weil der von Rom entsandte Patriarch Alfonso Mendez den einheimischen Ritus durch den lateinischen ersetzte. Seit 1961 existiert wieder ein äthiopisch-katholisches
Erzbistum Addis Abeba. Die Messe wird im
alexandrinischen Ritus und in amharischer Sprache zelebriert.
Islam
Nach neuesten Schätzungen ist der
Islam mittlerweile jedoch die größte Religion des Landes. Im Vergleich zu den
arabischen Staaten gilt der äthiopische Islam jedoch als liberal. Die Stadt
Harar gilt unter den äthiopischen Muslimen als heilig, jedoch nicht unter allen.
Rastafari
Für die Glaubensgemeinschaft der
Rastafari ist Kaiser
Haile Selassie und das Land an sich von zentraler Bedeutung. Eine sehr kleine Gruppe Anhänger dieser religiösen Bewegung lebt in
Shashemene südlich von Addis Abeba (in Oromiyaa), seitdem sich dort afrikanische Heimkehrer erst aus den
USA, später aus
Jamaika und dann aus der ganzen Welt niedergelassen haben.
Juden
Die
äthiopischen Juden, auch Olim,
Falascha, Beta Israel (Haus Israel), ethnische Bezeichnung früher Kayla, sind eine vom israelischen Oberrabbinat als durch Zwang christianisierte Afrikaner ursprünglich jüdischen Glaubens definierte Gruppe.
1975 wurden sie von den
Rabbinern in
Israel endgültig als Juden anerkannt. Historisch haben sie sich im Mittelalter aus politisch-religiös verfolgten Agaw-Gruppen entwickelt, u. a. durch Rekonversion christlicher Mönche zu einem aus dem Alten Testament künstlich abgeleiteten Judentum. Ethnisch gehören sie zu einer alteingesessenen Bevölkerung Äthiopiens; ob es vor der Konversion der Kayla zu einer judaisierenden Religion (der aber wesentliche Elemente des Judentums fehlen) eine möglicherweise ältere, versprengte jüdische Gruppe gegeben hat, ist aufgrund gegenläufiger historischer Indizien zunehmend umstritten.
Politik
Politisches System
vor 1974
Vor 1974 war Äthiopien eine absolute Monarchie. Der letzte Monarch war
Haile Selassie.
1974 bis 1991
Nach dem Sturz des Kaisers bemächtigt sich das Militär der Revolution, ein Militärverwaltungsrat , der sog.
Derg, übernimmt unter Führung von Major
Mengistu Haile Mariam die Macht.
1975 wird die Monarchie abgeschafft und das Land zu einer kommunistischen "Sozialistischen Volksrepublik", die ganz von sowjetrussischer Unterstützung abhängt. Politische Gegner und religiöse Gemeinschaften wurden blutig verfolgt.
ab 1991
Äthiopien ist seit 1991 eine föderale Republik (1995 durch die Verfassung bestätigt). Das Staatsoberhaupt wird vom Parlament als Staatspräsident gewählt und
hat vorwiegend repräsentative Aufgaben. Der Chef der Regierung ist der Ministerpräsident, der die Mitglieder des Kabinetts ernennt und normalerweise
Vertreter der stärksten Partei im Parlament ist. Das Parlament besteht aus zwei Kammern: dem
Bundeshaus (
House of Federation) mit 198 Sitzen und dem
Volksrepräsentantenhaus (
House of People’s Representatives, kurz genannt Parlama) mit 548 Sitzen (die Mitglieder werden direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt). Die höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Addis Abeba.
Siehe auch: Liste der Parteien in Äthiopien
Verwaltungsgliederung
Äthiopien ist seit
1998 nach ethnischen Kriterien in neun Bundesstaaten, die Hauptstadt
Addis Abeba(1 auf Karte) sowie die Stadt
Dire Dawa(5) (von
Oromiyaa und der
Somali Region beansprucht) gegliedert. Die folgende Liste führt die Namen der einzelnen Bundesstaaten mit Angabe der
Titularnation(en) auf.
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Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
Äthiopien ist in verschiedenen internationalen Organisationen und Gruppierungen Mitglied. Zu den wichtigsten zählen die Mitgliedschaften in den
Vereinten Nationen (Gründungsmitglied 1945) und seinen Unter- und Sonderorganisationen, wobei die ECA (VN-Wirtschaftskommission für Afrika) ihren Sitz in
Addis Abeba hat, der
Afrikanische Union (bis 2002 Organisation der Afrikanischen Einheit, deren Gründungsmitglied das Land 1963 war; Sitz Addis Abeba) und in der
Weltbankgruppe, IWF. Weiterhin in Regionalorganisationen wie der IGAD (
Intergovernmental Authority on Development), der
COMESA (Gemeinsamer Markt süd- und ostafrikanischer Staaten), und der
EU/AKP (Partnerschaftsabkommen der
Europäischen Union mit den afrikanischen, karibischen und pazifischen Ländern)
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Äthiopiens
Lucy Mexico.jpg]]
Das östliche Afrika wird bei vielen Forschern als Herkunft der Menschheit betrachtet. Lange bevor es Schrift gab, oder eine Überlieferung, auf die wir uns heute beziehen können, gab es auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens Menschen. Überreste prähistorischer Menschen (Australopithecus afarensis) wurden in Äthiopien gefunden ("Lucy" 1974 in Hadar).
Als eines der bedeutenden "Weltreiche" (so der Prophet Mani) in der Zeit der späten Antike gilt das nordäthiopische Reich von Axum (auch Aksum), das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war. Es beherrschte allerdings nur kurzzeitig auch Teile der südlichen arabischen Halbinsel und des Nordsudans, nicht aber Teile des heutigen Südäthiopien. Wie lange auch Teile des heutigen Sudan südlich von Atbara unter axumitischer Herrschaft standen, ist umstritten; wahrscheinlich beschränkte sich diese kurzzeitig im 4. Jahrhundert etablierte Herrschaft auf zeitweise Tributzahlungen. Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert wurde die äthiopische Christenheit vollständig vom Einfluss der europäischen Kirche abgeschnitten.
Die Portugiesen traten 1493 zum ersten Mal mit Äthiopien in Kontakt, überwiegend um ihre Herrschaft im Indischen Ozean zu festigen und den katholischen Glauben zu verbreiten. Ihre Strategie einer Bekehrung des gesamten Landes scheiterte jedoch ebenso wie 1543 der Eroberungsversuch muslimischer Völker (Sultanat Adal) mit türkisch-osmanischer Hilfe.
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Im Zuge des Kolonialismus hatte sich Äthiopien immer wieder der Einflussnahme europäischer Mächte zu erwehren, zunächst unter Kaiser Tewodros des Einflusses der Engländer, dann am Ende des 19. Jahrhunderts des Einflusses der Italiener und ihrer Kolonie Eritrea. Trotz überlegener, moderner Waffen schlugen die Äthiopier 1896 die italienischen Invasoren zurück (Schlacht von Adua). Dies gilt als wichtiger Sieg einer afrikanischen gegen eine europäische Armee und wurde seither fester Teil des äthiopischen Nationalbewusstseins.
Auf die Sicherung der Unabhängigkeit folgt die Eroberung im Süden des heutigen Staatsgebietes. Diese neueroberten Gebieten fallen unter ein archaisch-feudales System der Landnahme. 1935 kommt es zu einem weiteren italienischen Angriff unter Mussolini (Italienisch-Äthiopischer Krieg bis 1936). Innerhalb kürzester Zeit fällt Addis Abeba, obwohl die italienische Armee zu keinem Zeitpunkt das ganze Land kontrollieren kann. Kaiser Haile Selassie wird vorübergehend vertrieben, kehrt aber 1941/42 mit britischer Hilfe zurück.
Anfang der 1970er Jahre gerät das Kaiserreich in eine schwere Krise. Die verarmten Bauern leiden unter den Abgaben an die Großgrundbesitzer, das aufstrebende Bürgertum Addis Abebas sieht sich in seinen politischen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation in Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löst in Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus. Schließlich revoltieren zu Beginn des Jahres 1974 ebenfalls Teile der äthiopischen Armee. Kaiser Haile Selassie wird am 12. September 1974 gestürzt. Das Militär bemächtigt sich schnell der Revolution, ein Militärverwaltungsrat übernimmt unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam die Macht. 1975 wird die Monarchie abgeschafft und das Land zu einer sozialistischen Volksrepublik.
Es folgen bald militärische Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten. So wird 1977/1978 mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas eine Invasion des von den USA unterstützten Somalia abgewehrt. Aufgrund der übermäßigen Repression gegen die Zivilbevölkerung erhalten eritreische Separatisten immer mehr Zuspruch.
1984 gelangt Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führen in zwanzig afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges und der Einführung des Kommunismus durch Mengistu Haile Mariam war Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen.
1991 kollabiert das Regime schließlich. Unter der neuen Interimsregierung Meles Zenawis erlangt Eritrea im April 1993 nach fast dreißig Jahren Krieg die Unabhängigkeit. Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führen 1998 jedoch erneut zum Krieg der beiden Länder, den Äthiopien zwei Jahre später, also 2000, unter großen Verlusten für sich entscheiden kann. Derzeit überwachen Soldaten der "United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea" (UNMEE) einen fragilen Frieden, während eine unabhängige Grenzkommission die Streitigkeiten beilegen soll.
Siehe auch: Liste der Kaiser von Äthiopien
Wirtschaft
Der Außenhandel Äthiopiens besteht im wesentlichen aus dem Export von Kaffee. Deutschland ist der größte Importeur von äthiopischem Kaffee. Äthiopien profitierte als eines der afrikanischen Länder von dem Gruppe der Acht-Treffen im Jahre 2005, als ein Großteil der äthiopischen Schulden erlassen wurde.
Basisdaten
Das
Bruttosozialprodukt pro Kopf lag im Jahr 2000 bei 100 US-Dollar, kaufkraftbereinigt bei 660 PPP-$. Die Zuwachsrate des
Bruttoinlandsprodukts pro Kopf zwischen 1999 und 2000 lag bei 3,0%.
Landwirtschaft
Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt liegt bei 52% (Stand: 2000). Durch die
ökologische Verschiedenartigkeit und der
ethnischen Vielfalt gibt es in Äthiopien unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungssysteme.
- Nomadismus: Er existiert in allen Wüsten und Halbwüsten in den tieferen Lagen. Meistens treiben die Familien saisonal bedingt ihre Viehherden zwischen verschiedenen Weidegebieten hin und her. Ein Nomadismus, bei dem über Jahre weite Strecken zurückgelegt werden, ist selten. Inzwischen werden die Weideflächen knapper. Das liegt einmal an der zunehmenden Bevölkerung, aber auch an der Ausbreitung von kommerziellen Farmen wie beispielsweise in der Danakilebene. Dort verloren die Afar in den 1950/60igern ihre besten Weidegebiete entlang des Awash. Diese Farmen wurden 1975 verstaatlicht und teilweise vergrößert. Viele Afars arbeiten heute auf diesen Farmen oder betreiben selber Ackerbau.
- Semi-Nomadismus oder Transhumanz: Diese Landnutzung war früher bei vielen Oromovölkern weit verbreitet. Dabei werden mit einer Handhacke Felder bearbeitet, um Getreide anzubauen. Heute kommt diese Form der Landnutzung noch in einigen Teilen von Bale vor. Besonders in den letzten 100 Jahren wanderten vermehrt Menschen aus dem Norden in den Süden, nachdem Menelik II. den Süden erobert hatte. Der Pflug setzte sich immer mehr durch, da er eine intensivere Landnutzung möglich machte.
- Brandrodung: Diese Art der Landnutzung kommt in den Grenzgebieten zum Sudan vor. Der Busch wird gerodet und/oder abgebrannt. Große Bäume bleiben meist stehen. Der Boden wird dann gepflügt oder mit einer Hacke bearbeitet. Das Land wird so für drei bis fünf Jahre genutzt. Ist die natürliche Bodenfruchtbarkeit erschöpft, folgt eine Ruhezeit von 15 bis 25 Jahren, in der der Boden wieder von natürlicher Vegetation überwachsen wird. Die zunehmende Landknappheit zwingt die Bevölkerung ihre Felder in immer kürzeren Intervallen zu bestellen. Ohne die notwendigen Maßnahmen zum Ressourcenschutz ist eine langfristige Nutzung nicht mehr gewährleistet. In vielen Gebieten findet heute ein ähnlicher Prozess wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten im Norden Äthiopiens statt, der zu einer gewaltigen Zerstörung der Ökologie führte.
- Pflugbau: Im nördlichen Hochland begann der Mensch vor 7000 bis 8000 Jahren mit sesshaftem Ackerbau. Der Boden wird mit dem meist von Ochsen gezogenen Pflug bearbeitet. Die Saat wird breit ausgesät und mit dem Pflug eingearbeitet. Typisch sind Pflanzen, die sich generativ vermehren. Dazu gehören Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten . Die wichtigsten Anbaufrüchte sind Teff (dient nur in Äthiopien der menschlichen Ernährung), Sorghum , Mais , Weizen , Gerste , Fingerhirse , Raps , Sesam , und Nuug (eine Ölpflanze, die nur in Indien und Äthiopien kultiviert wird). Die Bodenfruchtbarkeit wird durch Fruchtwechsel mit Leguminosen und einer mehrjährigen Brache erhalten. Auf hofnahen Feldern wird mit Tierdung gedüngt.
Staatsausgaben für Gesundheit, Bildung und Verteidigung
Zwischen
1992 und
2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für
Infrastruktur
Ilg und die äthiopische Eisenbahn in Dire Dawa.jpg vor einer Lokomotive der Firma Sulzer (aus Winterthur) in Dire Dawa.]]
Insgesamt 26.053 Kilometer Überlandstraßen, davon nur 3.656 Kilometer befestigte Straßen, durchziehen die zerklüftete Landschaft Äthiopiens und eine einzige 681 km lange meterspurige Eisenbahnlinie, die Addis Abeba mit Dschibuti verbindet. Der Binnenhandel wird dadurch stark eingeschränkt. In der Regenzeit werden die kaum asphaltierten Transportwege unpassierbar und die Menschen oft wochenlang von den Märkten und von medizinischen Einrichtungen abgeschnitten. 1935 wurde von Ludwig Weber, einem deutschen Piloten, das Flugzeug Tsehai im Auftrag des Kaisers Haile Selassie in Äthiopien gebaut. Die Invasion Italiens beendete diesen frühen Versuch, eigene Schritte in der Luftfahrt zu machen.
Das Telekommunikationsnetz in Äthiopien ist inzwischen gut ausgebaut. In allen regionalen Zentren gibt es öffentliche Telefone und oft auch Internet Cafes und Telephon Shops, die eine vergleichsweise günstige Möglichkeit darstellen mit dem Ausland zu kommunizieren.
Inzwischen gibt is in einigen Teilen des Landes auch ein Mobilfunknetz. Allerdings funktionieren deutsche SIM-Karten in Äthiopien nicht. Eine Äthiopische kostet ca. 370 Birr (Stand Juli 2006), kann aber nur von Bürgern des Landes, oder unter grossem bürokratischem Aufwand gekauft werden. Alle äthiopischen Mobilfunknummern haben die Vorwahl 0911.
Tourismus
Reisen hat in Äthiopien eine lange Tradition, daher gibt es überall im Land, egal wie klein der Ort ist, sog. Hotels. Deren Standard ist, besonders in abgelegenen Gebieten, gewöhnungsbedürftig. In Nordäthiopien gibt es die sog. Historische Route. Dort gibt es in jeder Stadt ein Hotel der Staatlichen Hotelkette, das westlichen Standards gerecht wird. Alle Städte werden von der Ethiopian Airlines angeflogen.
Nationalparks
Hauptartikel: Nationalparks in Äthiopien.
In Äthiopien gibt es 9 Nationalparks (Stand Oktober 2005). Das Schutzgebietssystem wird durch etwa 100 weitere nationale Schutzgebiete mit unterschiedlichem Schutzstatus ergänzt. Der Simien Mountains Nationalpark gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Probleme
Wie jedes afrikanische Land hat leider auch Äthiopien mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen.
Kriminalität
Während viele afrikanische Länder mit einer sehr hohen Rate an gewaltsamer Kriminalität (z.B. Mord, Raubmord, Vergewaltigung) zu kämpfen haben ist dies in Äthiopien zum Glück eher unüblich. Zwar sollten bestimmte Gebiete des Landes, so zum Beispiel die Grenze nach Somalia und die Afar-Stammesgebiete nur bedingt von Touristen bereist werden, aber ansonsten kann man sich im ganzen Land frei und ohne Gefahr für Leib und Leben bewegen.
Ein anderes Bild zeigt sich allerdings wenn es um Kleinkriminalität geht. Taschendiebstahl ist besonders in der Hauptstadt gang und gebe. Kaum ein ausländischer Besucher wird mehr als zwei Tage in Addis Abeba verbringen können, ohne das sich ein Taschendieb an ihm versucht. Auch Trickbetrügereien sind an der Tagesordnung. Nicht selten werden Touristen zum Beispiel von netten "Studenten" angesprochen und zu etwa zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Solchen "Einladungen" folgt nicht selten eine Rechnung von zum Teil über 100$.
Trickbetrüger und Taschendiebe konzentrieren sich vor allem auf unsicher wirkende Neuankömmlinge. In Addis Abeba sind darum vor allem die Gebiete um die grossen Hotels (Churchill Road, Masqual Square) und der Mercato betroffen. Aber auch überall sonst sollte man ein Auge auf sein Geld haben.
Politische Unruhen
Nach den Parlamentswahlen im Juni 2005 kam es in
Addis Abeba zu gewalltsamen Unruhen in deren Verlauf bis zu 40 Menschen getötet wurden. Des weiteren wurden laut Menschenrechtsorganisationen wie
Human Rights Watch viele oppositionelle Politiker und Journalisten inhaftiert. Zur Zeit (Juli 2006) hat sich die Lage wieder beruhigt. Dennoch sollten Besucher des Landes darauf achten, sich von Demonstrationen fernzuhalten.
Krankheiten und Epedemien
- Aids: die Infektionsrate liegt zur Zeit bei ca. 6,6% der erwachsenen Bevölkerung (www.eldis.org). Damit sind in Äthiopien etwa 3 Millionen Menschen infiziert. Die Infektionsrate ist in urbanen Gebieten deutlich höher als in ruralen (13,7% zu 3,7%). Am stärksten betroffen sind die 15 bis 24 jährigen. Etwa 1,2 Millionen Kinder sind aufgrund der Krankheit verwaist.
Grenzkonflikte
Zur Zeit (Juli 2006) ist Äthiopien in zwei bilaterale konflikte Verwikelt. Zum einem gibt es mit Eritrea Unstimmigkeiten über den Grenzverlauf im Nordwesten der Provinz Tigray, die schon einmal zu einer kriegerischen Auseinandersetzung geführt haben. Zum anderen kommt es immer wieder zu bewaffneten Zwischenfällen mit Somalia, da Äthiopien der Islamistischen Ausrichtung der momentanen Machthaber in
Mogadishu ablehnend gegenübersteht. Erst kürzlich (Juli 2006) gab es Berichte über das Eindringen von äthiopischen Truppen nach West-Somalia, die aber von der äthiopischen regierung dementiert wurden.
Ethnische Konflikte
Zwischen den sehr zahlreichen ethnischen Gruppen Äthiopiens kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten um Landnutzungsrechte und Rechtsstreitigkeiten. Fördernd wirkt sich hier vor allem die weite verbreitung von Schusswaffen im ganzen Land aus, die ihre Ursprünge im Bürgerkrieg hat. Besonders hervorzuheben sind hier die konflikte der Affar mit den Äthio-Somalis und den Issa, da diese Konflikte massgeblich zur herabsetzung der wiederstandsfähigkeit der Affar gegen Dürrekatastrophen beigetragen haben.
Kultur
Bet Giyorgis church Lalibela 01.jpg Bet Gyiorgis bei Lalibela ]]
Äthiopien blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Es gilt nicht nur als die Wiege der Menschheit, sondern auch als Ursprungsland des Kaffee. Durch seine christlichen Traditionen und die historische Isolation unterscheidet es sich kulturell deutlich von den Staaten Schwarzafrikas. Dies äußert sich unter anderem in der Äthopischen Küche.
Kunst
Painting in church in Bahar Dar.jpg
Äthiopien ist bekannt für seine Malerei, die den Betrachter schnell gefangen nimmt und ihn in eine andere Welt entführt. Diese ganz eigentümliche Kunstform hat eine lange Tradition und ist eng mit der bewegten
Geschichte des Landes verknüpft. Die für
Schwarzafrika untypische Malerei und die Anfertigung feiner Kunsthandwerksarbeiten haben ihre Wurzeln im alten nordafrikanisch-vorderasiatischen Kulturbereich. Sie hielten sich, eingebettet in der ungebrochen christlichen Tradition des Landes, bis heute. Mit Blick auf die rund zweieinhalb Jahrtausende alte Hochkultur-Geschichte darf Äthiopien als der einzige heute noch lebendige und deutlich sichtbare "Ausläufer" der alten
Mittelmeerzivilisation in Afrika bezeichnet werden.
Künstler Äthiopiens:
Musik
Traditionelle Musik
Schon beim ersten Hinhören fasziniert die "andere afrikanische Musik" aus Äthiopien, die sich so sehr von den bekannten Rhythmen Westafrikas unterscheidet. Gespielt wird sie von den
Azmari genannten Sänger-Poeten, die durch das Land wandern und seine musikalische Kultur erhalten und verbreiten.
Moderne äthiopische Musik
Zwei Namen prägen die moderne äthiopische Musik:
Mahmoud Ahmed überraschte Mitte der 80er Jahre die europäischen Freunde afrikanischer Musik mit dem Album "Ere Mela Mela" und
Aster Aweke, Äthiopiens bekanntester Weltmusikstar. Sie hat ihr Heimatland aus politischen Gründen verlassen und seither eine internationale Karriere aufgebaut, ohne in ihrer Musik die äthiopischen Wurzeln zu vergessen. Beide füllen mit ihren Konzerten ganze Stadien und verkaufen hunderttausende von ihren Alben.
Als "Vater des
Ethno-Jazz" gilt
Mulatu Astatke. In Fachkreisen bekannt wurde er in den 1960er Jahren als er westlichen
Jazz und
lateinamerikanische Musik mit traditioneller äthiopischer Musik verband und so einen neuen Stil schuf.
2005 verwendete der Filmregisseur
Jim Jarmusch Stücke von Astatke im Soundtrack seines Films
Broken Flowers und verhalf dem Musiker zu neuer Bekanntheit.
Theater
Das 1935 gegründete
Hager Fikir Theater in
Addis Abeba gilt als das älteste indigene Theater Afrikas.
Spiele
Die ältesten Spielbretter (6.-8. Jahrhundert n. Chr.) des Spieles
Mancala wurden im Nordwesten Äthiopiens, in
Matara und
Yeha, gefunden. Richard Pankhurst beschrieb 1971 insgesamt
103 Varianten dieses Spieles in Äthiopien. Eine ist beispielsweise
Lamlameta und wird von den
Konso gespielt. Äthiopien hat auch eine eigene Variante des
Schachs hervorgebracht,
Senterej. Dieses Spiel wird mindestens seit fünfhundert Jahren gespielt. Der wohl größte Unterschied zum bekannten Schach ist die
Werera genannte Eröffnung, bei der die Spieler so schnell oder so langsam ziehen, wie sie wollen, ohne auf den Gegner zu warten.
Sport
Äthiopien hat eine lange Tradition von ausgezeichneten Langstreckenläufern und Läuferinnen. 20 Sportler aus Äthiopien gewannen 31 olympische Medaillen (14 Gold, 5 Silber, 12 Bronze; Stand 2004). Fußball und Volleyball zählen zu den beliebtesten Sportarten. Die äthiopische Fußballnationalmannschaft konnte allerdings nur in den 1960ern vorzeigbare Erfolge verbuchen (Gewinn der Afrikameisterschaft 1962 im eigenen Land) und gilt inzwischen als eine der schwächsten Mannschaften des afrikanischen Fußballverbandes.
Siehe auch: Liste der olympischen Medaillengewinner aus Äthiopien, Fußball in Äthiopien
Traditionelle Sportarten
Typische äthiopische Sportarten sind
Genna, eine Form des
Hockeyspiels, welches traditionell um die Zeit der äthiopischen Weihnacht (7. Januar) gespielt wird und
Gugs, ein Reiterspiel.
Bekannte Sportler
Kalender
Äthiopien hat eine eigene Zeitrechnung. Diese ähnelt dem Koptischen Kalender, ist ihm aber 276 Jahre voraus. Aktuell gilt in Äthiopien noch der Julianische Kalender. Äthiopien ist das Land der 13 Monate ("13 months of sunshine"), zwölf Monate zu je 30 Tagen und ein Monat mit fünf bzw. sechs Tagen (Schaltjahrsausgleich). Der Kalender ist gegenüber dem unter anderem in Europa gültigen Gregorianischen Kalender um knapp acht Jahre zurück. Das äthiopische Neue Jahr beginnt immer am 11. September. Da Äthiopien international unter anderem durch Bankwesen, Flugverkehr etc. verknüpft ist, besteht ein "Nebeneinander" beider Kalender. Überall im Land sind Kalender erhältlich, die gleichzeitig beide aktuell gültigen Daten auflisten, beispielsweise entspricht der 7. August 2005 = 1. Dezember 1997 E.C. (Ethiopian Calendar). Äthiopien rechnet auch die jeweilige Tageszeit anders: der Tag beginnt um 6 Uhr (europäische Rechnung), somit ist in Äthiopien morgens um 7 Uhr "die erste Stunde des Tages" vorbei (1 Uhr in äthiopischer Zählweise), Mittagszeit nach äthiopischer Zählweise ist somit um 6 Uhr.
Feiertage
Als Feiertage werden in Äthiopien das Neujahrsfest (11. September), die christlich-orthodoxen Feiertage zu Ostern und Weihnachten sowie die islamischen Feiertage zum Ende des Ramadan und zum Opferfest gefeiert.
| Datum
| Deutsche Bezeichnung
| Einheimische Bezeichnung
| Bemerkungen
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| 7. Januar
| Orthodoxer Weihnachtsfeiertag
| Genna
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| 10. Januar
| Islamisches Opferfest
| 'Id al-Adha
| veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung
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| 19. Januar
| Erscheinung des Herrn
| Timket
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| 2. März
| Tag der Schlacht von Adwa
| Ye'adowa B'al
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| 11. April
| Geburtstag des Propheten Mohammed
| Mawlid an-Nabi
| veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung
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| 21. April
| Orthodoxer Karfreitag
| Siqlet (Kreuzigung)
| veränderlicher Feiertag
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| 23. April
| Orthodoxes Osterfest
| Fasika
| veränderlicher Feiertag
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| 24. April
| Ostermontag (öffentlicher Feiertag)
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| veränderlicher Feiertag
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| 1. Mai
| Tag der Arbeit
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| 5. Mai
| Patriotentag
| Arbegnoch Qen
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| 28. Mai
| Nationalfeiertag
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| Ende des Derg-Regimes
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| 18. August
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| Buhe
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| 11. September
| Äthiopisches Neujahrsfest
| Inqut'at'ash
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| 27. September
| Auffindung des Kreuzes
| Meskel
| Gedenken an die Christianisierung Äthiopiens
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| 24. Oktober
| Ende des Ramadan
| 'Id al-Fitr
| veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung
|
Literatur
- Adolph Freiherr Knigge: Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien oder Nachricht von seinem und seines Herrn Vetters Aufenthalte an dem Hofe des großen Negus, oder Priesters Johannes (Volltext)
- Gerhard Rohlfs: Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen Expeditionscorps nach Abessinien (Volltext)
- Gerd Gräber, Angelika Gräber, Berhanu Berhe: Äthiopien, ein Reiseführer. Kasparek, Heidelberg 1997, ISBN 3-925064-21-4
- Walter Raunig (Hrsg.): Das christliche Äthiopien. Geschichte, Architektur, Kunst. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1541-1
- Ulrich Schmid: Aschemenschen. Eichborn Berlin 2006, ISBN 3-8218-0768-7
Filme
- Äthiopien, Kaiserreich zwischen Gestern und Morgen Ein Film von Manfred Purzer und Makonnen Desta, BRD 1956
- Alfred Ilg - Der weiße Abessinier Ein Film von Christoph Kühn, Schweiz 2003
- Kezkaza Wolafen Ein Film von Tewodros Teshome, 2003, in amharischer Sprache mit engl. Untertiteln
- Adwa: An African Victory Ein Film von Haile Garima, 1999, in englischer Sprache
Siehe auch
Weblinks
Regierung
Projekte zum Land
Sonstiges
Tourismus
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