Der Äskulap- oder Asklepiosstab ist ein von einer Schlange umwundener Stab. Er ist heute das Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.
Ein ähnliches Symbol der griechischen Mythologie ist der Hermesstab.
Asklepios
Der
Äskulapstab erhält seinen Namen von Äskulap oder
Asklepios, dem Gott der Heilkunde in der griechischen Mythologie. Als Sohn von
Apollon und der thessalischen Fürstentochter
Koronis wurde er vom heilkundigen
Kentauren
Cheiron erzogen und ebenso in der Heilkunde ausgebildet. Weil er als Arzt einen Toten auferweckte, erzürnte er Hades, den Herrscher des Totenreiches. Auf dessen Drängen wurde er von Zeus mit einem Blitz erschlagen, weil er sich erdreistet hatte, dem Willen der Götter entgegenzuwirken.
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Dargestellt wurde Asklepios meist als bärtiger Mann, der sich auf einen Stab stützt, welcher von einer Schlange umwunden wird.
Andere Namen des Asklepios sind Aglaopes, Apaleriacus, Archgetas, Aulonius, Causius, Coronides, Cotyläus, Demenaetus, Epidaurius, Gortynius, Hagnitas, Pergameuns und Tricäcus.
Die Schlange
Asklepios soll zu seinen Lebzeiten, bei Wanderungen oder auf dem Weg zu Kranken, immer eine
Äskulapnatter dabei gehabt haben, die sich um seinen Wanderstab ringelte. Einige Darstellungen zeigen sogar die Verehrung von Asklepios selbst in Schlangenform.
Bereits auf sprachlicher Ebene (im Altthrakischen) verbinden sich "as" (die Schlange) und "klepi" (etwas umwinden) zu "Asklepios". Seit Menschengedenken gilt die
Schlange als ein mystisches Wesen; im Altertum wurde sie schließlich zum
Symbol der
Heilkunde. Ihre Charakteristika "Verjüngung durch Häutung", "Scharfsichtigkeit/Wachsamkeit" sowie "Heilkraft" (aus Schlangenfleisch wurden Pharmaka hergestellt) machten sie zum Sinnbild ärztlicher Tugenden und zeigten so die Vorzüge der Medizin.
Der Stab
Auch zur Bedeutung des Stabes gibt es viele Theorien. Einerseits wird der Stab als Zepter oder Herrschaftssymbol verstanden, andere Forscher vertreten die Ansicht, er wäre ein einfacher Wanderstab, den
Asklepios stets bei sich trug. Da er als Verbindung zwischen Himmel und Erde betrachtet wurde, hatte schon der Stab allein magische Kräfte.
Doch schon Jahrhunderte bevor die Äskulap-Kulte beschrieben sind, wird von Heilungen berichtet in Verbindung mit einer Schlange an einem Stab:
Nach dem Auszug aus Ägypten (lat.
Exodus) unter der Führung
Mose, datiert im 15. Jahrhundert v. Chr. oder im 13. Jahrhundert v. Chr., erlebte das Volk Israel in der Wüste folgendes (Übersetzung nach Martin
Luther, 4. Mose 21, 4-9)
„4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege 5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“
Später erinnert
Jesus die Geschichte aus dem Alten Testament (Joh 3,14-15):
"Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben."
Die Heilung, welche die Israeliten durch den Blick auf die Schlange fanden, steht bildhaft für das Heil, das Jesus durch seinen Tod am Kreuz, also ebenso „erhöht“ an einem Holz hängend, in der Vergebung der Sünden für den Menschen erwirkt hat.
Das Asklepiosritual
Das Asklepios
ritual etablierte sich ab dem
5. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ausgang der
Antike zu einem der erfolgreichsten
Kulte. Die Patienten legten sich im meist außerhalb der Stadt gelegenen Asklepiostempel zum Heilschlaf nieder. Im Traum erschien ihm dann der Arzt und empfahl Diäten und andere Behandlungsmethoden zur Heilung. Manchmal wurde der Patient im Traum auch von einer Schlange besucht oder gebissen und dadurch geheilt. Die
sibyllinischen Bücher empfahlen anlässlich einer Seuche 291 v. Chr. die Kultübertragung von Epidaurus nach
Rom, wobei die
Schlange als Begleittier, Helferin und Wahrzeichen dargestellt wurde. Hier bekam Asklepios dann auch den heute gebräuchlicheren Namen "Äskulap".
Theorie des Medinawurmes
Die spektakulärste Theorie zur Bedeutung des Äskulapstabes gründet sich auf eine im Altertum gebräuchliche Praktik zur Entfernung des Medinawurmes (
Dracunculus medinensis). Dieser zwischen 30 bis 100cm lange Wurm befindet sich im letzten Stadion seines Lebenszyklus unter der Haut des Menschen und bohrt sich von dort eine Öffnung nach außen, über die er seine Eier abgibt. Zur Entfernung des Wurmes wurde dieser dann auf ein gespaltenes Holzstäbchen gewickelt, wobei täglich maximal 10cm aufgewickelt werden durften.
Dieser Theorie entgegenzusetzen ist der Fakt, dass der Medinawurm nur im tropischen Afrika vorkommt und nicht ausreichend nachvollziehbar ist, wie er von hier Eingang in die griechische Mythologie gefunden haben soll. Weiterhin gilt zu bemerken, dass auch Hygieia, die Tochter des Asklepios, mit einer Schlange dargestellt wird, hier ohne Stab. Zudem gibt es Abbildungen des Asklepiosrituales mit Schlangen ohne Stab. Die Medinawurmthese ist damit nicht haltbar. 1959 wurde sie von Lesky in der Medizinischen Wochenschrift gründlich widerlegt.
Quellen
Meyers großes Taschenlexikon, Pschyrembel (klinisches Wörterbuch), http://www.thieme.de/viamedici/medizin/wissenswertes/aeskulapstab.html,
http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/asklepios.htm
Symbol | Griechische Mythologie
Æskulapstav | Rod of Asclepius | Vara de Esculapio | מטהו של אסקלפיוס | Bastone di Asclepio | Esculaap | Eskulapova palica