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MSF_Logo_fr_de.jpg Ärzte ohne Grenzen ist der Name der deutschsprachigen Sektionen der 1971 gegründeten internationalen Organisation Médecins Sans Frontières (MSF). Die private Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten.

Die Hilfsprojekte sind unterschiedlicher Natur und reichen vom (Wieder-)Aufbau von Krankenhäusern über die Erstellung von Brunnen bis zur einfachen Aufklärung der Bevölkerung. Die meisten Mitarbeiter sind Ärzte und Pflegekräfte, aber auch Vertreter anderer Berufe unterstützen die Organisation aktiv. Das internationale Netzwerk von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen setzt sich aus Sektionen in 19 Ländern zusammen.

Grundsätze


Ärzte ohne Grenzen arbeitet immer unabhängig, unparteiisch und abhängig von der konkreten Einsatzsituation auch so neutral wie möglich. Nur so ist es nach Auffassung der Organisation möglich, in Krisenregionen effektiv humanitäre Hilfe zu leisten. MSF sieht aber auch das Witnessing ("Zeuge sein") im Rahmen der medizinischen Nothilfe als eine wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, wenn notwendig, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Anhand von Berichten der Mitarbeiter vor Ort wird in der MSF-Einsatzzentrale entschieden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Mögliche Aktionen sind: Gespräche mit Verantwortlichen, Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar der Rückzug aus einem Einsatzgebiet. Nach Meinung von MSF ist zwischen Witnessing und Neutralität in der praktischen humanitären Arbeit unter Umständen eine Abwägung notwendig, die im Einzelfall eine Aufgabe der Neutralität notwendig macht. Diese Auffassung zur Neutralität unterscheidet MSF grundlegend von der strikt praktizierten Neutralität des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), aus dessen Einsatzerfahrungen MSF entstanden ist. MSF ist, nach den Worten des Mitbegründers Bernard Kouchner, stets unparteiisch aber nicht immer neutral.

Die humanitäre Arbeit von MSF für die Opfer von Not und Gewalt wurde 1999 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises besonders geehrt.

“Das norwegische Nobel-Komitee hat entschieden, den Friedensnobelpreis 1999 an Ärzte ohne Grenzen zu vergeben, in Anerkennung der bahnbrechenden humanitären Arbeit dieser Organisation auf mehreren Kontinenten.” (The Nobel Foundation)

Geschichte


Stand 2005 gibt es 19 MSF-Sektionen in verschiedenen Ländern. MSF ist in über 70 Ländern tätig.

Geschichte der Organisation

Die Ärzte ohne Grenzen wurden am 20. Dezember 1971 als Médecins Sans Frontières von jungen französischen Ärzten gegründet, die zuvor im Auftrag des IKRK für das Französische Rote Kreuz im Einsatz gewesen waren. Diese waren zuvor, enttäuscht von den begrenzten Möglichkeiten helfen zu können, aus dem Bürgerkrieg in Biafra und aus dem von einer Flutkatastrophe betroffenen Bangladesch zurückgekehrt. Die Gründer von MSF betrachteten insbesondere den Ansatz des IKRK, Neutralität im Einsatz diskret und unter allen Umständen zu praktizieren, als limitierend für eine effektive Hilfe. Ihrer Meinung nach sollte Neutralität ihre Grenzen haben, wenn von einer an einem Konflikt beteiligten Seite massive Verstöße gegen die Menschenrechte beziehungsweise das Humanitäre Völkerrecht begangen werden. In einem solchen Fall müssen nach Meinung der MSF-Gründer auch humanitäre Helfer ihre neutrale Haltung aufgeben können und diese Verstöße gegebenenfalls öffentlich thematisieren, um auf diesem Wege ein Eingreifen anderer Staaten oder Organisationen zu erreichen.

1976 erreichte die Organisation die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit durch den Einsatz in einem von christlichen Milizen eingeschlossenen schiitischen Viertel Beiruts (Libanon). Im Jahr 1979 verließen der Mitbegründer Bernard Kouchner und einige weitere die Organisation und gründeten Médecins du Monde (Médecins du Monde). 1980 wurde in Belgien die zweite MSF-Sektion gegründet, 1981 folgte eine weitere Sektion mit Sitz in Genf. 1993 erhielt die Organisation vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge die Nansen-Medaille. Die deutsche Sektion Ärzte ohne Grenzen e.V. wurde im gleichen Jahr gegründet. 1985 wurden Vertreter der Organisation aus Äthiopien verwiesen, nachdem die französische Sektion die Unterschlagung humanitärer Hilfe sowie Zwangsumsiedlungen durch das Mengistu-Regime öffentlich kritisiert hatte. Aufgrund des Drucks der internationalen Aufmerksamkeit sowie aufgrund der Androhung der Sperrung von Geldern durch die wichtigsten Geberländer lenkte das Regime ein. Im Jahr 1989 kamen bei einem Abschuss eines Piloten ohne Grenzen-Flugzeugs mit einer Rakete im Sudan neben anderen Opfern zwei Mitarbeiter ums Leben. Die Organisation verließ daraufhin den Südsudan bis 1992.

1990 wurde in Afghanistan ein MSF-Logistiker ermordet. Die Organisation unterbrach daraufhin die Aktivitäten im Land bis 1992. 1993 kam es zu einer scharfen Verurteilung der Vorgehensweise der Vereinten Nationen in Somalia, da humanitäre Prinzipien verletzt wurden. Im gleichen Jahr stellte die Organisation die Aktivität im irakischen Kurdistan nach der Ermordung eines Handicap International-Mitarbeiters ein.

1994 wurde in Wien das Büro der österreichischen Sektion Ärzte ohne Grenzen eingerichtet. Im gleichen Jahr mussten Delegierte von MSF in Ruanda in die dort tätige Delegation des IKRK aufgenommen werden, um sie vor der Bedrohung durch Hutu-Extremisten im Rahmen des beginnenden Völkermordes zu schützen. Die MSF-Mitarbeiter trugen dabei das Emblem des Roten Kreuzes und erklärten sich bereit, nach den Einsatzregeln des IKRK tätig zu sein, da dies im Rahmen der örtlichen Gegebenheiten der einzige effektive Schutz vor einer möglichen Ermordung war. Die Vorgehensweise von MSF, Verstöße gegen die Menschenrechte und das Humanitäre Völkerrecht zu thematisieren und humanitäre Hilfe dadurch effektiver zu gestalten, war in diesem Einsatz an seine Grenzen gestoßen. Ein Jahr später wurden die Mitarbeiter der Organisation mit 37 weiteren humanitären Organisationen aus Ruanda verwiesen. Man hatte zuvor das Blutbad durch ruandische Truppen im Vertriebenenlager Kibeho kritisiert. Am 10. Dezember 1999 wurde der Organisation für ihre Arbeit der Friedensnobelpreis verliehen.

Im Jahr 2001 wurden zwei Mitarbeiter entführt. Einer von ihnen wurde nach sechsmonatiger Entführung in Kolumbien unversehrt wieder freigelassen, ein weiterer Mitarbeiter in Tschetschenien kam nach einem Monat wieder frei. 2002 wurde in Dagestan der MSF-Mitarbeiter Arjan Erkel entführt und im Mai 2004 nach 20 Monaten freigelassen. Am 2. Juni 2004 wurden in Afghanistan fünf Mitarbeiter (eine Belgierin, ein Norweger, ein Niederländer und zwei Afghanen) in einem Hinterhalt der Taliban getötet. MSF sieht eine der Ursachen für dieses Attentat in der bereits davor kritisierten Instrumentalisierung und dem Missbrauch humanitärer Hilfe für politische Zwecke durch die Koalitionstruppen unter US-amerikanischer Führung. So wurden zum Beispiel Afghanen mittels Flugblättern dazu aufgefordert, Informationen über die Taliban und Al Kaida zu liefern, um weiterhin humanitäre Hilfe zu erhalten. Aufgrund dieses Vorfalls und des trotzdem anhaltenden Missbrauchs durch die Koalitionstruppen stellte die Organisation die Arbeit in Afghanistan am 28. Juli 2004 nach 24-jähriger Tätigkeit ein.

Im Jahr 2005 kritisierten die Ärzte ohne Grenzen die Vereinten Nationen scharf: man habe die Hungerkatastrophe im Niger zu spät an die Öffentlichkeit getragen, bis heute sind Hunderttausende von der Dürre betroffen.

Siehe auch


Weblinks


Humanitäre Hilfe (Organisation) | Friedensnobelpreisträger | 1971

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