MSF_Logo_fr_de.jpg Ärzte ohne Grenzen ist der Name der deutschsprachigen Sektionen der 1971 gegründeten internationalen Organisation Médecins Sans Frontières (MSF). Die private Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten.
Die Hilfsprojekte sind unterschiedlicher Natur und reichen vom (Wieder-)Aufbau von Krankenhäusern über die Erstellung von Brunnen bis zur einfachen Aufklärung der Bevölkerung. Die meisten Mitarbeiter sind Ärzte und Pflegekräfte, aber auch Vertreter anderer Berufe unterstützen die Organisation aktiv. Das internationale Netzwerk von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen setzt sich aus Sektionen in 19 Ländern zusammen.
Die humanitäre Arbeit von MSF für die Opfer von Not und Gewalt wurde 1999 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises besonders geehrt.
1976 erreichte die Organisation die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit durch den Einsatz in einem von christlichen Milizen eingeschlossenen schiitischen Viertel Beiruts (Libanon). Im Jahr 1979 verließen der Mitbegründer Bernard Kouchner und einige weitere die Organisation und gründeten Médecins du Monde (Médecins du Monde). 1980 wurde in Belgien die zweite MSF-Sektion gegründet, 1981 folgte eine weitere Sektion mit Sitz in Genf. 1993 erhielt die Organisation vom UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge die Nansen-Medaille. Die deutsche Sektion Ärzte ohne Grenzen e.V. wurde im gleichen Jahr gegründet. 1985 wurden Vertreter der Organisation aus Äthiopien verwiesen, nachdem die französische Sektion die Unterschlagung humanitärer Hilfe sowie Zwangsumsiedlungen durch das Mengistu-Regime öffentlich kritisiert hatte. Aufgrund des Drucks der internationalen Aufmerksamkeit sowie aufgrund der Androhung der Sperrung von Geldern durch die wichtigsten Geberländer lenkte das Regime ein. Im Jahr 1989 kamen bei einem Abschuss eines Piloten ohne Grenzen-Flugzeugs mit einer Rakete im Sudan neben anderen Opfern zwei Mitarbeiter ums Leben. Die Organisation verließ daraufhin den Südsudan bis 1992.
1990 wurde in Afghanistan ein MSF-Logistiker ermordet. Die Organisation unterbrach daraufhin die Aktivitäten im Land bis 1992. 1993 kam es zu einer scharfen Verurteilung der Vorgehensweise der Vereinten Nationen in Somalia, da humanitäre Prinzipien verletzt wurden. Im gleichen Jahr stellte die Organisation die Aktivität im irakischen Kurdistan nach der Ermordung eines Handicap International-Mitarbeiters ein.
1994 wurde in Wien das Büro der österreichischen Sektion Ärzte ohne Grenzen eingerichtet. Im gleichen Jahr mussten Delegierte von MSF in Ruanda in die dort tätige Delegation des IKRK aufgenommen werden, um sie vor der Bedrohung durch Hutu-Extremisten im Rahmen des beginnenden Völkermordes zu schützen. Die MSF-Mitarbeiter trugen dabei das Emblem des Roten Kreuzes und erklärten sich bereit, nach den Einsatzregeln des IKRK tätig zu sein, da dies im Rahmen der örtlichen Gegebenheiten der einzige effektive Schutz vor einer möglichen Ermordung war. Die Vorgehensweise von MSF, Verstöße gegen die Menschenrechte und das Humanitäre Völkerrecht zu thematisieren und humanitäre Hilfe dadurch effektiver zu gestalten, war in diesem Einsatz an seine Grenzen gestoßen. Ein Jahr später wurden die Mitarbeiter der Organisation mit 37 weiteren humanitären Organisationen aus Ruanda verwiesen. Man hatte zuvor das Blutbad durch ruandische Truppen im Vertriebenenlager Kibeho kritisiert. Am 10. Dezember 1999 wurde der Organisation für ihre Arbeit der Friedensnobelpreis verliehen.
Im Jahr 2001 wurden zwei Mitarbeiter entführt. Einer von ihnen wurde nach sechsmonatiger Entführung in Kolumbien unversehrt wieder freigelassen, ein weiterer Mitarbeiter in Tschetschenien kam nach einem Monat wieder frei. 2002 wurde in Dagestan der MSF-Mitarbeiter Arjan Erkel entführt und im Mai 2004 nach 20 Monaten freigelassen. Am 2. Juni 2004 wurden in Afghanistan fünf Mitarbeiter (eine Belgierin, ein Norweger, ein Niederländer und zwei Afghanen) in einem Hinterhalt der Taliban getötet. MSF sieht eine der Ursachen für dieses Attentat in der bereits davor kritisierten Instrumentalisierung und dem Missbrauch humanitärer Hilfe für politische Zwecke durch die Koalitionstruppen unter US-amerikanischer Führung. So wurden zum Beispiel Afghanen mittels Flugblättern dazu aufgefordert, Informationen über die Taliban und Al Kaida zu liefern, um weiterhin humanitäre Hilfe zu erhalten. Aufgrund dieses Vorfalls und des trotzdem anhaltenden Missbrauchs durch die Koalitionstruppen stellte die Organisation die Arbeit in Afghanistan am 28. Juli 2004 nach 24-jähriger Tätigkeit ein.
Im Jahr 2005 kritisierten die Ärzte ohne Grenzen die Vereinten Nationen scharf: man habe die Hungerkatastrophe im Niger zu spät an die Öffentlichkeit getragen, bis heute sind Hunderttausende von der Dürre betroffen.
Humanitäre Hilfe (Organisation) | Friedensnobelpreisträger | 1971
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