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Das Ägyptische ist die Sprache des alten Ägyptens. Es ist ein eigenständiger Zweig der afro-asiatischen Sprachfamilie, zu der u.a. auch das Hebräische, Arabische und die Berbersprachen gehören. Mit mindestens 4000 Jahren ist sie die Sprache, die sich über die längste Zeitspanne nachweisen lässt.

Die Erschließung des Ägyptischen wurde erst möglich durch den Fund des Steins von Rosette 1799. Dieser ist eine große Stele, auf der ein Dekret eines ptolemäischen Königs in zwei verschiedenen Sprachen, Griechisch und Ägyptisch, und in drei verschiedenen Schriften, Griechisch, Demotisch und Hieroglypisch geschrieben wurde. Durch einen Vergleich der Texte konnte so das Ägyptische von Jean-François Champollion erschlossen werden.

Geschichte


Man unterscheidet folgende Sprachstufen:

  1. Altägyptische Sprache (Sprache des Alten Reiches); ca. 3000 v. Chr. - ca. 2200 v. Chr.
  2. Mittelägyptische Sprache (Sprache des Mittleren Reiches); ca. 2200 v. Chr. – ca. 1500 v. Chr.;
  3. Neuägyptische Sprache (Sprache des Neuen Reiches); ca. 1500 v. Chr. – ca. 700 v. Chr.
  4. Demotisch (Sprache der Spätzeit des Ägyptischen Reiches); ca. 700 v. Chr. – ca. 400 n. Chr.
  5. Koptisch (Sprache des christlichen Ägypten); ca. 300 n. Chr. – ca. 1700 n. Chr.

Der lange Zeitraum und die Vielzahl der überlieferten Dokumente ermöglichen es uns, die Entwicklung des Ägyptischen recht detailliert nachzuvollziehen. Ähnliche Veränderungen der Grammatik finden sich auch in der Entwicklung anderer, nicht verwandter Sprachen:

Das Alt- und Mittelägyptische kannte keinen Artikel. Das Tempussystem, also die zeitliche Einordnung einer Handlung, war von untergeordneter Rolle und gleichberechtigt mit anderen Aspekten wie Dauerhaftigkeit oder Wiederholung einer Handlung. Hilfsverben wurden nur selten benutzt. Die Possessivpronomina wurden als Endung (Suffixpronomina) an das Substantiv angehängt. Mittelägyptisch galt in der gesamten ägyptischen Antike als klassische Sprache und wurde für öffentliche, besonders aber für religiöse Texte bis in die römische Zeit verwendet. Sie unterscheidet sich nur wenig vom Altägyptischen und wird mit ihr in einer Gruppe zusammengefasst.

Als im Neuen Reich zur Amarnazeit, etwa im 14. Jhdt. v. Chr. die Schere zwischen dem Mittelägyptischen und der gesprochenen Sprache immer größer wurde, begann man in Briefen und Erzählungen das Neuägyptische zu benutzen.

Diese Sprachstufe zeigte viele Abänderungen gegenüber ihren Vorgängern: Bestimmte Artikel und Possessivpronomen wurden eingeführt. Die Aspekte wurden mit Adverbien u. ä. wiedergegeben; außerdem wurde ein Tempussystem der Verben eingeführt, das unserem sehr ähnelt. Die Beugung der Verben machte immer mehr dem Gebrauch eines gebeugten Hilfsverbs in Kombination mit einem ungebeugten Verb, ähnlich unserem Infinitiv oder Partizip, Platz (Vgl. ich dachte → ich habe gedacht). Im Gegensatz zum Mittelägyptischen blieb das Neuägyptische auch als Schriftsprache dynamisch, d.h., es entwickelte sich kontinuierlich weiter und ging ins Demotische und zuletzt ins Koptische über, ohne dass es zu einem erneuten Bruch in der Entwicklung gekommen wäre. Gleichzeitig machten sich starke lautliche Veränderungen bemerkbar, so schwanden unbetonte Vokale und die Endung .t des Femininums.

Neben dem Demotischen und dem Koptischen wurde seit der griechischen Kolonisation bis zum Sieg des Islams auch Griechisch als Schriftsprache benutzt. Das Ägyptische ist etwa im 11. Jahrhundert vom Arabischen als Umgangssprache verdrängt worden. Es wurde lokal wohl noch bis ins 19. Jahrhundert in Oberägypten verwendet. Heute wird ein arabischer Dialekt in Ägypten gesprochen, das Ägyptisch-Arabische. Allgemeine Schriftsprache ist heute Hocharabisch.

Schrift


Bis zur Christianisierung bediente man sich in der Schrift der Hieroglyphen oder ihrer Kursive, des Hieratischen. Das Hieratische wurde in der Saitenzeit, etwa 700 v.Chr, im alltäglichen Gebrauch von einer unterägyptischen Schnellschrift, dem Demotischen abgelöst und dann ähnlich wie die Hieroglyphen vor allem für religiöse Texte gebraucht. Koptisch wurde und wird mit einer eigenen, der griechischen Schrift verwandten Schrift geschrieben und ist bis heute Liturgiesprache in der koptisch orthodoxen Kirche.

Überlieferung


siehe Altägyptische Literatur

Literatur


Grammatiken

  • Elmar Edel: Altägyptische Grammatik. (Analecta Orientalia 34/39), Rom 1955/1964

  • A. H. Gardiner: Egyptian Grammar, Oxford, 3. Aufl. 1957 (grundlegende Referenzgrammatik des Mittelägyptischen mit der Gardiner-Liste im Anhang)

  • Boyo G. Ockinga: Mittelägyptische Grammatik, 2., revidierte Auflage 2005, Verlag Philipp von Zabern Mainz, XIII, 181 S., ISBN-10: 3-8053-3600-4, ISBN-13: 978-3-8053-3600-0.

  • Boyo G. Ockinga: Concise Grammar of Middle Egyptian, 2nd revised edition 2005, Verlag Philipp von Zabern Mainz, XIV, 180 S., ISBN-10: 3-8053-3601-2, ISBN-13: 978-3-8053-3601-7.

  • J. Cerny, S. I. Groll, C. Eyre, A Late Egyptian Grammar, Third, updated ed. - Biblical Institute; Rome, 1984

  • Hermann Junker: Grammatik der Denderatexte, J. C. Hinrichs, Leipzig 1906

  • T. O. Lambdin: Introduction to Sahidic Coptic, Macon, GA: Mercer University Press, 1983

Wörterbücher

  • Hannig-Lexika

Textausgaben

Sprachführer

  • Carsten Peust: Hieroglyphisch Wort für Wort; Kauderwelsch Band 115; Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH, ISBN 3-89416-317-8
(Sprachstufe: Neuägyptisch)

Weblinks


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