Die Ägyptische Expedition (1798 bis 1801) bezeichnet einen französischen Feldzug nach Ägypten.
1795 wurden die Niederlande von der französischen Armee besetzt und standen nun unter französischer Kontrolle. Preußen und Spanien schlossen im selben Jahr einen Friedensvertrag mit Frankreich. Unter französischem Druck erklärte Spanien im August 1796 Großbritannien sogar den Krieg. 1797 wurde der Frieden von Campo Formio zwischen Frankreich und Österreich geschlossen. Großbritannien war damit 1798 das einzige einflussreiche europäische Land, das sich noch im Krieg mit der französischen Republik befand. Zu seinen Verbündeten zählten nur noch Portugal, das wenig einflussreiche Königreich von Neapel-Sizilien und die Insel Malta. Russland verhielt sich neutral.
Charles de Talleyrand, damals Außenminister des Direktoriums, fand Napoleons Vorhaben überzeugend, weil ein Sieg leicht zu erringen zu sein schien: Ägypten wurde zwar von einem osmanischen Gouverneur regiert, dieser verfügte jedoch über keine türkischen Garnisonen. Der einzige Widerstand würde von den lediglich 10.000 Mamelucken ausgehen. Deren militärische Stärke lag in der Kavallerie, die jedoch auf einem von Kanonen und Gewehren dominierten Schlachtfeld am Ende des 18. Jahrhunderts keine wirkliche militärische Bedeutung mehr hatte.
Geopolitisch gesehen war es eine Fortsetzung der französischen Expansion im Mittelmeerraum: Bereits seit 1768 gehörte Korsika und seit 1797 Korfu zum französischen Einflussgebiet. Für einige der Direktoriumsmitglieder war auch die Idee attraktiv, den politisch immer einflussreicher werdenden Napoleon außerdem für einige Zeit aus Paris fernhalten. Nach anfänglichem Widerstand billigte das Direktorium am 5. März 1798 gegen die Stimme von Jean-Baptiste Barras den Plan Bonapartes eines Feldzugs in Ägypten. Napoleon erhielt den Auftrag, Ägypten zu besetzen und die Engländer aus allen Besitzungen zu vertreiben, „in die der General gelangen kann“. Er erhielt weiterhin den Befehl, die Landenge von Sues zu durchqueren, um eine französische Dominanz in der Region am Roten Meer zu erreichen. Im Sinne der Ideale der Französischen Revolution umfasste sein Auftrag auch die Anweisung, „das Los der Menschen in Ägypten zu verbessern“. Da Ägypten nominell zur Türkei gehörte, sollte Außenminister Talleyrand nach einem entsprechendem Sieg nach Konstantinopel reisen, um mit dem türkischen Sultan Verhandlungen zu führen. Dann sah der Plan vor, gemeinsam mit den Türken in Indien einzufallen.
Am 19. Mai verließ der erste Teil des Expeditionsheers den Hafen von Toulon. Napoleon war an Bord des Flaggschiffes L'Orient. Am 21. Mai schloss sich von Genua aus eine Flotte von 72 Schiffen an. Am 28. Mai stießen von Korsika her 22 Schiffe hinzu, am 30. Mai weitere 56 Schiffe, die von Civita Vecchia aus gestartet waren. Damit war das französische Expeditionsheer komplett und nahm Kurs in Richtung Sizilien. Bereits am 5. Juni umrundete es die Südspitze von Sardinien.
Allerdings wurde schon am 1. August 1798 die französische Flotte von den Briten unter Admiral Nelson bei Abukir vollständig vernichtet, so dass die Verbindungswege nach Frankreich unterbrochen waren. Ein Aufstand in Kairo vom 22. bis 23. Oktober 1798 wurde von Napoleon niedergeschlagen. (siehe auch Seeschlacht bei Abukir)
Außenminister Talleyrand hatte unterdessen nicht, wie versprochen, Konstantinopel bereist. Die Türkei erklärte schließlich unter englischem Druck Frankreich den Krieg.
Ein Feldzug Napoleons nach Syrien mit 14.000 Mann zur Verteidigung der Eroberung Ägyptens gegen ein sich formierendes türkisches Heer scheiterte mit der Belagerung von Akkon (März bis Mai 1799). Trotz einiger Siege über osmanische Truppen musste Napoleon sich nach Ägypten zurückziehen, wo er am 25. Juli 1799 die Osmanen bei Abukir vernichtend schlug. Da sich die Lage in Europa dramatisch gegen ihn wandte, kehrte Napoleon am 22. August 1799 heimlich nach Frankreich zurück und überließ das Kommando in Ägypten General Kléber.
Kléber handelte zwar mit den Osmanen den freien Abzug aus Ägypten aus, doch als Großbritannien die bedingungslose Kapitulation forderte, wurde der Krieg wieder aufgenommen. Die Osmanen wurden am 20. März 1800 bei Heliopolis von Kléber vernichtend geschlagen und Kairo wieder besetzt. Allerdings wurde Kléber am 14. Juni 1800 in Kairo von einem Muslim ermordet. Sein Nachfolger Menou wurde von den 17.000 Mann starken britischen Truppen bei Abukir am 21. März 1801 und Ramanja am 9. April geschlagen. Am 31. August kapitulierte Alexandria, und die französischen Truppen mussten gegen freien Abzug Ägypten verlassen.
War die Expedition auch letztlich ein militärischer Fehlschlag, führte sie doch zu bedeutenden wissenschaftlichen Entdeckungen, da durch die an der Expedition teilnehmenden Wissenschaftler die altägyptische Kultur weithin bekannt wurde und so ein starkes Interesse an der Frühgeschichte geweckt wurde. Bedeutendste Entdeckung war hierbei sicher der Fund des Steins von Rosetta am 15. Juli 1799, der letztlich die Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen durch Jean-François Champollion ermöglichte.
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